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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 197 (sequence 76)
Language
German
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Zur Charakteristik usw. 197 * ־ ausscheiden. Die Zeiten, in denen die Meinung vorherrschend war, es könnte nach der Methode Creizenachs und seiner Qesinnungsgenossen mit Erfolg der Versuch gemacht werden, Grundlehren des Reformjudentums als mit den Gedankengängen des Talmuds in Einklang befindlich hinzustellen, sind endgültig vorüber. Das liberale Judentum anerkennt in seinem Judentum der Gegenwart den Endpunkt einer langen Entwicklung, der von dem des talmudischen recht weit abliegt. Es hat sich daher der Gedankenwelt des Talmuds und Midrasch mit Bewusstsein entfremdet. Seine gelehrten Vertreter sind wohl in der Lage, die einzelnen Etappen der Entwicklung von ihrem Standpunkt aus aufzuzeigen* 1) und auch die Gedankenwelt des Talmuds scharf zu zeichnen. Doch seine Auffassung kann in dem oben aufgeführten Sinne nicht Ausgangspunkt sein. Das misnagdische i3t ebenso wie es für die Halacha, nicht zu geringst in der neueren Zeit, in einer immer schärfer und feiner ausgebildeten Methodik die Mittel gefunden;, sich den Weg zum ursprünglichen Sinn der Gedankenarbeit des Talmuds zu erschliessen, auch für die Agada der besonnene und darum zuverlässigere Interpret der dort niedergelegten religiösen Lebens- und Weltanschauung. Das chassidische trägt freilich Sondergut mit sich, aber dies ist in seiner Eigenart von dem talmudischen leicht loszulösen und ein bedenklicher Fehlerfaktor ist daher in der Benutzung seines jüdischen Seelenlebens hinsichtlich der im Sinne der obigen Ausführung erstrebten Feststellung nicht zu befürchten. Auch dieser Weg bietet Schwierigkeiten. Aber eigentlich besser sagen: das kabbalistische Judentum. Ein solches gibt 08 aber wieder nicht als Anschauung einer geschlossenen Gruppe. Auch bei den Misnagdim ist manches von der Kabbala entnommen. Diese Andeutangen geben naturgemäss nicht ein so deutliches Bild, wie es dem vor Augen steht, der im Judentum lebt, genügen aber für den Zweck der obigen Darstellung. l) wie vor allem Kaufmann Köhler in seinem ״ Grundriss der systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage“ an vielen Stellen seines Werkes die fremden Einflüsse nachzuweisen sucht, durch die die religiöse Gedanken- und Gefühlswelt des Judentums nach seiner An- Behauung bereichert oder getrübt worden ist.

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