Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 191 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Charakteristik usw. 191 gesicherten Textes ist, in den älteren Midraschim für manche Aufklärung hinsichtlich der Halacha, in allen für grammatische, lexikographische, historische, kulturgeschichtliche u. a. Untersuchungen, so glauben wir doch nicht, dass dadurch völlig neue Bahnen für eine Verwendungsfähigkeit in dem hier zur Frage stehenden Gebiete eröffnet würden. Es gibt zu denken, dass Bacher’s Standard work noch so wenig fruchtbar gemacht worden ist, in dem immerhin durch die Heranziehung aller Parallelstellen, durch Feststellung der richtigen Lesarten mit Benutzung der oft scharfsinnigen Anmerkungen der verschiedenen Herausgeber der Midraschim, den aufschlussreichen Bemerkungen der Kommentatoren der beiden Talmude wie der zahlreichen Historiker, Literarhistoriker und Lexikographen, durch die Zuweisung maneher in ihrer Autorschaft zweifelhaften Stellen an ihre wahrscheinliehen Urheber, eine in mannigfacher Beziehung bedeutsame Vorarbeit geleistet worden ist. Und würde es Einer wagen, auf Grund der von Bacher gegebenen Charakteristik der Talmudweisen die anonyme Agada bestimmten Autoren zuzuweisen1)? *) Zur Illustrierung nur ein Beispiel. Bacher hat in seiner Agada der Tannaiten II. Band ein Kapitel Rabbi Jehuda und R. Nechemja. Er sagt darüber (S. 227): ״Als einer der interessantesten Denkmäler tannaitischer Agada und dabei als das am vollständigsten erhaltene Specimen agadischer Kontroversen verdienen die Kontroversen J.’s und N.’ jedenfalls ausführlichere Darstellung. Aus ihnen allein könnte man wie an einem Durchschnitte die Methode nnd den Geist der agadischen Schrifterklärung jener Zeit beobachten.״ Man sollte nun meinen, dass bei der ausserordentlich grossen Zahl dieser Kontroversen, in Genesis Rabba allein sind es mehr als 50, doch an jedem der beiden Tannaiten eine charakteristische Art der Schriftauslegung zu erkennen wäre. Das ist jedoch durchaus nicht der Fall. Man kommt zu dem gleichen Resultat, wenn man nach verschiedenen Gesichtspunkten die Aus- Sprüche der beiden Tannaim beurteilt. Da, wenn wir die einzelnen Kontroversen nach ihren Quellen angeben würden, die Kontrolle dem Leser bei der grossen Zahl zu mühsam wäre, so geben wir die Stellen nach Bacher an, nach Seitenzahl und Anmerkung. Legen wir den Masstab an, wer bevorzugt die Exegese des schlichten Wortsinnes, wer die eines ferner liegenden דרש, so ist in 288 2 R. Jehuda derjenige, der mehr die Exegese על פי פשט, R. Nechemja derjenige, der mehr eine sich vom Wortsinn entfernende annimmt Zu Gen. 24,1 ״Gott hatte Abraham mit allem gesegnet“, sagt R. Jehuda: