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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 190 (sequence 67)
Language
German
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190 Zur Charakteristik ־usw. Als Ursache unserer Hilflosigkeit auf diesem Gebiet auf den textkritisch mangelhaften Bestand unserer Texte hinzuweisen1), ein Mangel, der demgemäss in absehbarer Zeit zu beheben wäre, halte ich nicht für überzeugend. So wichtig zweifellos für die Feststellung des wahren Sinnes einzelner Aussprüche die Heran- Ziehung alter Handschriften ist2), so sehr sich vielleicht auch das Gesamtbild einer Persönlichkeit dadurch zu verschieben vermag und so unbedingt nötig selbstverständlich aus den mannigfachsten Gründen die Herstellung eines wissenschaftlich So hat Bousset a. a. 0.494 Anm. 1 gegenüber Güdemann Recht, wenn er sagt, es wäre vom Standpunkt der Apologie des Judentums kein glücklicher Einfall, wenn dieser gegenüber Boussets Charakterisierung der Religion des Judentums als der der Praxis und des Handelns, auf Kidduschin 40 b: ״Das Forschen in der Tora ist von grösserem Wert als das religiöse Handeln“ und Peah 1,1 ״das Forschen in der Tora geht über alles* hinweise. Wenn aber Bonsset hinzufugt, das sei ein Beleg dafür, dass man mit dem System der dicta probantia aas Mischna und Talmud beweisen kann, was man will, so vergisst er, wie oft er selbst sich dessen schuldig gemacht. נ) wie das u. a. Perles a. a. O. S. 4 betont. 2) einen wichtigen Beleg dafür hat erst jüngst Alexander Marx in Jeschuran XI S. 128 gegeben. M. stellt da auf Grund der Lesart einer alten Handschrift fest, dass es in dem bekannten Ausspruch R. Akiba’s bei seinen Märtyrertode nicht heissen dürfe: mein ganzes Leben habe ich mich darüber gegrämt, wann würde ich wohl Gelegenheit haben, den Schriftvers, dass man Gott auch mit Hingabe des Lebens lieben müsse, zu erfüllen; sondern: mein ganzes Leben habe ich den Schriftvers so gedeutet .... und jetzt solle ich ihn nicht erfüllen? M. fährt fort: ״R. Akiba sagt also hier nur, dass er sein Leben mit seiner Lehre in Einklang briDgen wolle, drückt aber keinerlei Freude darüber aus, dass ihm die Gelegenheit zum Märtyrertod sich bietet. Das ist durchaus natürlich und steht viel besser im Einklang mit seiner Persönlichkeit und seinen Anschauungen.“ — Damit ist die Konstruktion Bousset’s a. a. 0. S. 429 — wenn er überhaupt auf Grund dieses einen Ausspruchs ein Recht dazu hätte — erledigt! B. sagt: ״Die späte jüdische Religion ist eine Religion des Martyriums. Am Schlus3 unserer Periode steht die Gestalt des Märtyrers Akiba, der sich freut, weil er erst mit seinem Märtyrertod das Wort: ״Du sollst Gott lieben mit ganzer Seele“, erfüllt“. — Die Parallelstelle Jer. Sota Y 5, die Marx nicht berücksichtigt, ist nicht gegen ihn ins Feld zu führen, da dort trotz der Freude, die R. Akiba beim Schemabekenntnis im Augenblick seines Märtvrertödes empfindet, nichts davon steht, dass er sein Leben lang auf diesen Augenblick gehofft hat.

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