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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 189 (sequence 66)
Language
German
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Zur Charakteristik usw. 189 sönlichkeit abzuleiten. Gegen alle diese Versuche, die auch von jüdischer Seite unternommen werden, hat S. R. Hirsch in seinen 12 Artikeln gegen Grätz (Hirsch’s Jeschurun Band II—IV) das entscheidende Wort gesprochen. Aber das Gleiche muss auch von der Agada gelten. Völlig abwegig ist es freilich, wenn Köberle a. a. 0. Seite 405 £., 481, 496, 498, es so darstellt, als ob ein sehr beträchtlicher Teil der Agada überhaupt nicht ernst zu nehmen, weil es sieh sehr oft um Tüfteleien, um gesuchte Spielereien usw. handelte. Dass manches uns fremdartig erscheint, manches hyperbolisch, manches allegorisch zu nehmen, manches auf fremde Einflüsse zurückgeht, das darf uns nicht zu dem Urteil bringen, dass den Agadisten selbst ihre Aussprüche nicht von ernstester Bedentung waren. (Vgl. auch Joel ״Blicke in die Religionsgeschichte“ I. S. 50 ff.). Dafür spricht, von allem andern abgesehen, die Feierlichkeit, mit der oft die Sentenzen und Erzählungen eingeleitet werden. Es ist überhaupt keine Frage, dass Unzähliges, das unter bestimmten Namen überliefert ist, auf ältestes Traditionsgut zurückgeht, dass daher, genau so wie in der Halacha der Inhalt vieler Entscheidungen seit undenklichen Zeiten feststand oder Gegenstand der Kontroverse war, die scheinbare Ableitung aas der Schrift nur אסמכתא ist, so auch in der Agada für nns ein sehr grosser Teil de3 Befremdlichen schwindet, wenn wir uns vor Augen halten, dass die Art der exegetischen Ableitung, in welcher Form sie auch aaftreten mag, nur Anlehnung eines Gedankens ist, der dem Autor vorher feststand, sei es durch die eigene Geistesarbeit oder durch Ueberlieferang. So erfordert jeder agadistische Ausspruch an sich die ernsteste Beachtung. Und wenn über eine Frage, die noch dazu verhältnismässig eng umgrenzt ist, eine schier unübersehbare Anzahl von Aussprüchen vorhanden ist, wie etwa über ״das Verdienst der Väter*, so mag der Versuch wohl gelingen, verschiedene Richtungen bei den Tanaim und Amoraim zu unterscheiden und ihre Stellungnahme schärfer za präcisieren, wie das in dem obenerwähnten Bache von A. Marmorstein The Doctrine of Merits usw. geschehen. Ohwohl uns auch hier manches als Hypothese erscheint, worauf in diesem Zusammenhang nicht eingegangen werden kann. — Wogegen wir uns nur wehren zu müssen glauben, ist, dass man aus einzelnen oder wenigen Aussprüchen, deren Entstehungszeit wir nicht kennen, von denen wir nicht wissen, in welchem Zusammenhang sie ausgesprochen, die eine relative Bedeutung haben können, (in viel höherem Masse noch als das S. Kaatz, für die Bibel in seinem ״das Wesen des israelitischen Prophetismus״ nachgewiesen) usw. dass man daraus auf die absolute Gültigkeit des Gesagten schliessen könne und darauf ein System von Anschauungen gründet. Nur wenn wir unsrerseits an diesem Prinzip festhalten, haben wir das Recht, uns gegen die subjektive Benutzung der Quellen der anderen Seite zuwenden.

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