Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 188 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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188 Zur Charakteristik usw. sierung also einzig und allein die Arbeit des Beurteilers ist, muss da nicht dem Subjektivismus Tür und Tor geöffnet sein? Das muss freilich auch von den jüdischen Autoren gelten. Unantastbar sind die von ihnen beigebrachten Widerlegungen man־־ eher Behauptungen christlicher Theologen, da sie zumeist mit einem erdrückenden Material die Unrichtigkeit jener auf Einzelsätzen oder falschem Verständnis gegründeter Konstruktionen nachweisen können. Welche Sicherheit ist aber dafür gegeben, dass sie nicht auch ihrerseits, da sie aus dem vorliegenden Material wählen und es werten, von einem durch die allgemeine Einstellung beeinflussten Subjektivismus sich leiten lassen? Ferner: auch wir, denen die Quellen lebendig sprudeln, die wir daher eine ganz andere Fähigkeit mitbringen, das Material zu vergleichen und zu sichten, sehen uns ausser Stande, aus manchen Aussprüchen den rechten Gewinn zu ziehen. Schechter1) bringt dafür ein klassisches Beispiel: ״Zwei und einhalb Jahr stritt die Schule Schammai’s mit der Hillers über die Frage, ob für den Menschen besser wäre, er wäre nie geboren. Die Entscheidung fiel in dem Sinne, dass, nachdem der Mensch nun einmal geboren wäre, er seine Handlungen untersuchen müsse2״). Wie der Streit geführt wurde, ob auf metaphysischer Grundläge, ob durch empirische Beweise, ob durch Auslegung der Bibel, darüber hören wir kein Wort. Es wird nicht einmal berichtet, welche Schule die eine, welche die andere Ansicht vertreten hat. So tappen wir über die Stellungnahme der beiden Schulen zu einer einschneidenden religiösen Frage völlig im Dunklen 3). *) Some Aspects etc. S. Bf. 2) Erubin 13 b. 3J Ein anderes Beispiel: Yon Schammai, dem aufbrausenden und strengen, haben wir die Lebensmaxime: ״Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht״. Vgl. L. Lazarus a. a. 0. Seite 10f. über die Stellung SchamaFs in sittengesetzlicher Beziehung. Der Ausweg, dass Schammai gerade, weil sein Temperament mit ihm durchging, sich selbst diese Maxime zur Richtschnur seines Handelns aufgegeben habe, ist doch als allgemeines methodologisches Prinzip kaum brauchbar. Wir wenden uns mit Recht gegen die Methode, halachische Sätze aus dem Charakter der Per-