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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 186

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Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 186 (sequence 63)
Language
German
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186 Zur Charakteristik usw. Eine Auseinandersetzung darüber ist aber gleichbedeutend mit der Frage: Ist aus den talmudischen Quellen überhaupt ein geschlossenes Bild über den religiösen Besitzstand des talmudischen Judentums zu gewinnen? Diese Frage wird bekanntlich von der christlichen Theologie bejaht. Aus dieser Einstellung heraus unternimmt sie es, in umfassenden Werken da3 Ganze der jüdischen Religion dieser Zeit zu beurteilen. Im Geiste des Christentums, wie es allmählich geworden, an dessen Wiege aber schon die griechischen Philosophen und die jüdisch-hellenistischen Denker standen, ist es, dass eigentlich nur die Religion als eine angemessene anzusehen ist, die formulierte Glaubenssätze besitzt. Eine jahrtausendlange Entwicklung hat diese Einstellung noch verstärkt. Wird jene doch während des Bestehens des Christentums im wesentlichen charakterisiert durch die Geschichte seiner Dogmatik. Dieser Masstab wird nun auch an das Judentum augelegt. Systematisierung auch dort, wo das Material sich dieser widersetzt1) oder geringere Einschätzung des religiösen Besitzstandes, wenn eine Systems,- tisierung nicht gelingt.2) Es ist gegen diese Einstellung schon 1j Am ausgeprägtesten in dem oft erwähnten Werke von Weber. 2) Bei den verschiedensten Beurteilen»; am deutlichsten bei Bousset a. a. 0. 219: ״Wo immer die Religion sich vom nationalen Leben ablöst . . . da tritt auch das Streben hervor, die Summe der ia ihr herrschenden Anschauungen in kürzeren oder längeren Formeln eines Bekenntnisses zusammenzu f assen und die Zustimmung zu diesen Formeln als unerlässliche Vorbedingung der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu fordern. Indem sich dann weiter die Theologie des Bekenntnisses bemächtigt, es zusammenhängend bearbeitet und mit Hilfe von Gedanken, die man der allgemeinen Bildung der Zeit entlehnt, zur Weltanschauung erweitert, entsteht das Dogma. Die jüdische Religion ist hier bei den allerersten Anfängen der Entwicklung stehen geblieben“.— Wenn Bousset das auch z. T. richtig damit begründet, dass das Judentum seinem Charakter nach vorwiegend eine Religion der Praxis und des Handelns ist, so geht doch aas manchen Stellen seines Buches hervor, dass er diese Dogmenlosigkeit als ein Manko im Judentum ansieht, dass er aber vor allem das, was nicht dogmenmässig formuliert ist, geringschätzt. — Vgl. S. Schechter Studies of Judaism First Series 1915 S. 147—181. — Dass auch innerhalb des Christentums gegen die Ueberschätzung der dogmatischen Formulierung der im N. T. ausgesprochenen religiösen Anschauungen der Apostel Stellung

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