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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 183 (sequence 60)
Language
German
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Das neueste Dogma usw. 183 oder wie Herodot (7,152) sagt: ״Ich halte mich für verpflichtet, alles das zu erzählen, was man sich erzählt.״ Jedenfalls kann diese Beschaffenheit der Geschichtsbücher Israels ihren Wert nur erhöhen. 4. Der Blick auf das soeben charakterisierte Verfahren der Geschichtsschreiber Israels leitet uns direkt zur Betrachtung des vierten Vorwurfs hinüber, den man diesen Erzählern neuerdings so häufig zu machen pflegt, dass er fast zu einem ״geflügelten Worte״ geworden ist. Oder wer sollte noch nicht die Redensart gehört haben, die israelitischen Geschichtsbücher hätten ihre Bilder ״auf Goldgrund gemalt״? Dies ist nun aber schon deswegen nicht wahr, weil sie, wie soeben erwähnt worden ist, überhaupt nicht etwaige Nuancen der überlieferten Vorlagen ״übermalt״ haben, was ebenfalls sehr oft in unserer Gegenwart behauptet wird. Sodann aber lässt sich von den Geschichtsbüchern Israels das reine Gegenteil ihres angeblichen ״Malen auf Goldgrund״ erweisen. Denn ein besonderer Charakterzug ihres Verfahrens besteht darin, dass sie nicht geschmeichelt, sondern sogar bei den Persönlichkeiten, die sie im übrigen nach den Tatsachen als ausgezeichnete Menschen darstelien durften, doch nicht ihre Schwächen verschwiegen haben. Auch in Abrahams Geschichte ist ja bemerkt, dass er seine Frau, die allerdings seine Stiefschwester gewesen war, einfach als seine Schwester bezeichnet hatte (1. Mos. 12,13; 20,2 vgl. V. 12f.), also der damals drohenden Gewalttätigkeit durch eine Li3t entgegenwirken wollte. So könntennochvieleFällezumBeweisdafür vorgeführt werden, dass das neuere Reden von einem Malen der biblischenDarsteller ״auf Goldgrund“ nur eine verblümte Verleumdung ist. Aber aus allen diesen zu Gebote stehenden Beweisen sei nur noch der Umstand herausgegriffen, dass keinVolk des Altertums von seinen eigenen Geschichtsschreibern so oft (2. Mos. 16,2 usw.) getadelt worden ist, wie das Volk Israel. Also auch in bezug auf unparteiische Gerechtigkeit oder ObjektivitätdesUrteils hat die hebräische Geschichtsschreibung nach dem Ideal gestrebt. 5. So bleibt nur noch die Betrachtung des fünften Punktes übrig, um des willen die altisraelitische Geschichts-

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