Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 178 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Das neueste Dogma usw. gelassen werden, die Bemängelungen, deretwegen sie die althebräischen Geschichtsbücher schliesslich bis auf den Nullpunkt Ton Autorität herabgedriickt haben (s. 0. S. 170), später gegen die hier gegebene Untersuchung zu wiederholen? Nein, diese Bemängelungen müssen hier zugleich mit beleuchtet, die möglichen Ein wände müssen von vorn herein auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden. Gehe ich also an diese so geartete, noch notwendige Untersuchung! 1. Der erste von den Mängeln, um deretwillen jetzt einem Hauptteil der israelitischen Geschichtsbücher einfach alle Autorität abgesprochen zu werden pflegt, soll darin liegen, dass die Berichte über Israels Anfänge aus ganz morschem Material zusammengesetzt worden seien. Diese Behauptung, an der sich leider auch Ed. Meyer beteiligt, hat aber viele Momente übersehen, die ich beim Streben nach allseitiger Betrachtung der Sache gefunden habe, und von denen hier nun wenigstens einige Proben gegeben werden sollen. Setzen wir einmal den Fall, dass der biblische Bericht über die Anfänge Israels, also über den ersten Patriarchen, auf bloss mündlicher Ueberlieferung beruhte! Dann muss man nicht nur schon an das erinnern, was die Gedächtniskraft schriftloser Völker ausserhalb Israels geleistet hat, wie z. B. den Aufbau der indischen Dichtung Rigveda mit ihren 1017 Hymnen, sondern dann muss ich auch darauf hinweisen, dass diese Gedächtniskraft in Israel die Auseinanderhaltung der mosaischen und der vormosaischen Periode geleistet hat. Und doch wie natürlich wäre es gewesen, wenn der Ruhm, den Mose als der Vermittler bei der Befreiung und bei der Grundlegung der religiös-sittlichen Gesetze seines Volkes erworben hat, die späteren Geschlechter dazu verleitet hätte, die Anfänge Israels in allen Beziehungen erst von Moses Zeit an zu datieren! Aber aller Glanz, in welchem die mosaische Epoche als die Jugendzeit (Hos. 11, 1) des israelitischen Volkes strahlte, hat nicht das Licht erbleichen lassen, das aus den vormosaischen Tagen in die Erinnerung Israels herüberfunkelte. Diese merkwürdige, aber von allen modernen Geschichtsschreibern