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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 173 (sequence 50)
Language
German
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Das neueste Dogma usw. 173 den Gegenden gelebt, die herkömmlicherweise ״der Orient“ genannt zu werden pflegt? Haben infolgedessen nicht auch die alten Israeliten ihre damalige Umwelt nach deren geographischen, völkergeschichtlichen und überhaupt kulturellen Verhältnissen beobachten und kennzeichnen können? Ob sie es nun mit wenig Wirklichkeitssinn beobachtet und mit wenig Sinn für die geschichtliche Wahrheit darüber berichtet haben? Das wird sich zeigen, wenn wir nunmehr in die Literaturen anderer Kulturvölker jenes alten Orients hineinblicken und uns zunächst auf diesem Wege ein Urteil über den Rang zu bilden suchen, der ihren Geschichtsbüchern im Verhältnis zu denen der Hebräer zukommt. Was finden wir bei dieser Umschau? ׳ Nun bei vielen Völkern des alten Orients ist es garnicht zur Herstellung von Geschichtsbüchern gekommen. Weder die Literatur der Chinesen der vorchristlichen Zeit noch die der alten Inder und Perser weist Werke auf, die zur Kategorie der Geschichtswerke zu rechnen wären10). Ferner im Gebiete der Phönizier sind ״tyrische Annalen“ erwähnt11). Aber ihr Charakter ist nicht näher bekannt. Selbst bei den Aegyptern, deren ״Schreibseligkeit“ ja erstaunlich war12), kann kaum von Geschichtsschreibung gesprochen werden. Denn freilich sind uns ägyptische Erzählungen schon aus der Zeit des mittleren Reiches (seit ungefähr 2000 bis 1580) erhalten worden, die manche Geschichte in gewähltester Ausdrucksweise vortragen, wie z. B. die Geschichte von dem Hofbeamten Sinuhe, der aus Angst vor einem neuen Pharao nach Palästina floh und dort als ״Barbar“ lebte, oder die Geschichte von dem Schiffer, der zur Schlangeninsel kam und von der alten Schlange so gut aufgenommen wurde, oder gar die Geschichte von dem Bauer, dem sein Esel gestohlen worden war, und der darüber so schön zu reden wusste, dass die Er- 10) Vgl. bei Pani Hinneberg, Die Kultur der Gegenwart I, VII, S. 179 ff. 318 ff. u) Lehmann-Haupt, Israel (1911), S. 87. 12) Ad. Erman, Die Hieroglyphen (1917], S. 83.

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