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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 170 (sequence 47)
Language
German
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170 Das neueste Dogma usw. darauf ankommt, gewisse historische Tatsachen festzustellen, sondern der Hörer soll den herzzerreissenden Schmerz des Vater & mitfühlen, der sein eigen Kind mit eigener Hand opfern soll3)“. Wird diese Behauptung aber wirklich den Absichten des Erzählers von 1. Mos. 22 gerecht? Nein, sie verkennt dieselben vollständig. Denn jener Erzähler will wirklich dies als einen geschichtlichen Vorgang berichten, dass Abraham von Gott erst auf die Probe gestellt wurde, ob er fähig sei, seinen Sohn der Gottheit als Opfer darzubringen, dann aber, als er auch zu dieser Art von religiöser Opferwilligkeit bereit war, dessen vergewissert wurde, dass sein Gott über Menschenopfer erhaben sei und sich mit dem höchsten Grade von seelischer Hingabe begnüge. Dagegen die Behauptung, dass jene Erzählung zu dem Zwecke niedergeschrieben sei, um erst zum Mitleid und dann zur Mitfreude mit Abraham anzuregen, verleugnet die grammatisch« historische Methode der Auslegung der dastehenden Textvrorte. Jener Erzählung den angegebenen Zweck zuschreiben, das heisst, die alte Geschichte nicht auslegen, sondern einen modernen ästhetisierenden Gedanken in sie hineinlegen und zu ihrer Hauptsache machen. Das also ist eine zweite Hauptart, sich zu den althebräischen Geschichtsbüchern zu stellen. Man will sie nicht mehr als Berichte über objektive Vorgänge gelten lassen. Nur subjektive Anschauungen und Gefühle sollen in ihnen dargestellt werden. Anstatt Geschichts-* bücher sollen sie Romane sein. So meint man den Sinn jener Erzählungen umdeuten zu dürfen. Diese zweite Haupt- Stellung zu den althebräischen Geschichtsbüchern läuft auf ihre Verdrehung hinaus. Aber auch bei plumper Schmähung und schiefäugiger Verdrehung von Geschichtsbericht in Erdichtung blieb die moderne Stellungnahme zu den althebräischen Geschichtsbüchern nicht stehen. Sie ging noch einen Schritt weiter. Einfache Ignorierung dieser Geschichtsbücher war die nächste Etappe auf diesem Entwicklungsgänge. Ja, man brauchte in 3) Gunkel, Die Genesis ausgelegt (1917), S. XII.

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