Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 158 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Hat es vor dem Bar Kochba-Krieg usw. Eine solche Hypothese ist, dass Rabbi Joehanan ben Sakkai, eine Persönlichkeit, die wahrlich tief genug in die geistige Entwicklung des Judentums ein gegriffen und in der kritischsten Zeit das Schicksal desselben für viele Generationen mitbestimmt hat, ein unvergleichlicher Lehrer und Führer, dessen Lebens-Phasen nicht verborgen und in der Literatur nicht spurlos bleiben konnten, und der unmöglich viele Jahre an einem Orte weilen konnte, ohne von bekannten Schülern und Verehrern umgeben zu sein und religiöses Leben, selbst wo es nicht vorhanden war, in seiner Umgebung zu schaffen — dass ein solcher Mann, dessen gesamtes aus der talmudischen Literatur hervor leuchtendes Wirken nur Jerusalem und Jabne, allenfalls ßeror Chail zum Schauplatz hat, 18 Jahre seines Lebens in einem Nest Ar ab bei Sepphoris — man müsste sagen: in gänzlicher Untätigkeit — zwecklos verbracht hätte. Und dies eigentlich nur auf Grund einer einzigen Aeuserung eines Amoräers in Jeruschalmi. B ü c h 1 e r und nach ihm Klein, die es mit einer merkwürdigen wissenschaftlichen Resignation ernstlich als Tatsache hinnehmen und sich damit abfmden, dass Joehanan b. Sakkai in diesen 18 Jahren ein nnnützes Dasein ״in partibus infidelium" geführt habe, da während des ganzen Zeitraumes nur genau zwei religiöse Fragen an ihn herangetreten sind, können dafür nichts anderes als einen einzigen Ansspruch Ulla’s in ן er. Sabbat 15 d anführen. Denn die beiden Mischna- Stellen, Sabbat XVI und XX, in welchen über diese beiden Fragen berichtet wird, sind für einen kritischen Beurteiler eben nichts als die Quelle, aus welcher Ulla seine Meinung über den Aufenthalt R. Joch. b. Sakkais in Arab geschöpft hat. Er mag vielleicht von anderer Seite noch gewusst haben, dass zwischen beiden Fragen 18 Jahre lagen- Aber in Wirklichkeit dürfte in der Mischna מעשה בא לפני ר״י בן זכאי בערב so zu verstehen sein, dass die Fälle vor ihn gebracht wurden (nach Jerusalem, Jabne oder Beror Challj, die sich in Arab ereignet hatten (d. h. מעשה בערב), nicht dass der Meister dort war, wie man in späteren Zeiten auf Grund der Mischna und infolge des von ihm überlieferten wegwerfenden Urteils über Galiläa gemeint bat1). Umsoweniger geht es natürlich an, ihm, wie Klein, als ״wohl sicher Galiläer von Geburt* hinzustellen. Der an sich dunkle Satz Sabbath 84 a כאן קצץ בן זכאי תורמוסי תרומה auf den Biichler noch verweist2) muss sich ja überhaupt nicht auf R. Joehanan b. S beziehen (s. Sanhedrin 41a?מאן בן זכאי) umsoweniger als dieser (wie Tossaphoth, Menachoth 21b s. v. שתכהנים bemerken und wie sich aus seinen häufig gegen die Priester gerichteten Sentenzen ergibt) sicherlich kein Priester war. Aptowitzers Meinung (Monatsschr. 1908, 74 5) מחנן כהן בדול Para 3, 5 sei mit ריב״ז identisch, kann doch nicht ernst genommen werden. Ebenso ist es im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass R. Chanina ben Dossa, dessen Tätigkeit uns nur in Jerusalem und Judäa bekannt ist, jemals in Arab oder sonst in Galiläa gewesen ist. Im Jeruschalmi Berachoth 4, 5 (Bereschith rabba 10) sprechen die Eseltreiber offenbar vom A m o r a R. Chanina, der in Sepphoris gewohnt hat und dessen Lebensführung ihnen bekannt war; ״ben Dossa* ist ein Missverständnis der Abschreiber. Uebrigens wurde der Satz שבת ר״ח בן דוסא בעירו auch nur bedeuten, dass er in seiner Heimat (in Judäa) um diese Zeit die Sabbath-Ruhe begonnen haben mochte. Der Kommentar מתנות כהונה zitiert nebenbei eine Erklärung מן ערב מערב שבת wodurch der Ort Arab gamicht in Frage käme. Ausser diesen vereinzelten und unsicheren Stellen gibt es keine Grund- נ) Ich habe darüber a. a. St. hebräisch in einer Studie betreffend מעשה בתור מקור הלכה geschrieben, wo die Mischna vom Skorpion auch halachisch anders erklärt wird. 2) Jew. Quarterly Review XVI, 194.