Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Hat es vor dem Bar Kochba-Krieg usw. 157 Hat es vor dem Bar Kochba־ Krieg jäd. Gelehrte in Galiläa gegeben? Von Rabb. Dr. A. Kaminka, Wien. S. Klein’s Nene Beiträge zur Geschichte und Geographie Galiläas (Heft 3/4 u. 5,6 d. vorigen Jg.) bereichern, ebenso wie seine gelehrten ersten Beiträge, unsere Kenntnis der Orte Erez-Israels. Das sichere Material, das er herbeischafft, bildet einen so grossen Schatz, dass der Wert seiner Arbeit sich nicht vermindert, wenn einzelne nicht hinreichend fundierte Hypothesen, eigene oder von Vorgängern übernommene, abgelehnt werden müssen. Es muss, was die Methode der Forschung betrifft, gegen zwei Dinge ein Vorbehalt gemacht werden. Erstens dagegen, dass aus ganz allgemeinen und vieldeutigen Aus- Sprüchen, deren genauer Sinn und Veranlassung noch erst aufgedeckt werden soll, ganz präzise Schlussfolgerungen und Anhaltspunkte für Kombinationen mit scheinbar ähnlichen, in einer ganz anderen Situation vorkommenden Aeusserungen geholt werden, um daraus historische Tatsachen zu konstruieren. So hat Simon b. Gamliels Satz לא המדרש עיקר אלא המעשה, dessen Sinn verschieden aufgefasst werden kann (ich selbst habe in meiner Einleitung zu Markus Aurelius Antoninus auf einen möglichen Zusammenhang dieses Satzes mit Seneca’s Wort, Epist. 20,2: ״fäcere docet philosophia, non dicerea hingewiesen) doch entschieden gamichts zu tun mit der einfachen und selbstverständlichen Mahnung, die der Jude Eleazar nach Joseph. Antiqq. XX, 2,4 an Izates richtet, das Gesetz nicht bloss zu lesen, sondern auch die darin enthaltenen Vorschriften zu befolgen. Es ist ja dabei gar nicht von מדרש Auslegung, Forschung oder Vortrag die Rede, sondern vom einfachen dvaywoüOzsiv. Zum Ueberfluss sagt Eleazar dort noch: Wenn Izates die Stelle über die Beschneidung noch nicht gelesen habe, so möge er sie gleich lesen, damit er sein Unrecht einsieht. Es heisst wahrlich, ״einen Berg an ein Haar hängen“, wenn Klein1) daraus folgern will, dass der Satz Simon b. Gamliels ״bei den galiläischen Juden allgemein anerkannt0 gewesen wäre. Selbst wenn zufällig ein wirklich übereinstimmender Satz in Aboth und bei Josephus Vorkommen würde, wäre ein Schluss in der angedeuteten Richtung nicht das Nächstliegende und es würden sich andere Erklärungen bieten. Uebrigens wird dieser Eleazar von Josephus nicht als gelehrter Rabbi, sondern als einfacher über die Bräuche der Vorfahren unterrichteter Jude in Galiläa vorgestellt: ’Iovdalog tlg szeoog ix rijg rahXiaCag acpixo/usvog, und I. H a 1 e v y 2) hat darauf hingewieseD, dass sein Hat an Izates nicht einmal der Halacha entsprach. Zweitens ist es unzulässig, dass entgegen ganz sichern und allseitig verbürgten Tatsachen über Leben und Wirken bekannter Persönlichkeiten, und entgegen der Wahrscheinlichkeit der Dinge, irgend ein vorkommender Ortsname, der auch ein Irrtum sein kann, oder eine bei dem verwahrlosten Zustande unserer Texte noch der Korrektur bedürftige Midrasch-Stelle, modernen Forschem genüge, um daraus historische oder biographische Tatsachen abzuleiten. In alten Zeiten, als man die Frage der inneren Wahrscheinlichkeit unklar überlieferter Begebenheiten gar nicht aufzuwerfen gewohnt war, mochte es hingehen. Aber ein wissenschaftliches Urteil kann doch nicht ohne sorgfältige Prüfung der Quellen und Bildung einer deutlichen, vemunftgemässen Vorstellung von den Vorgängen gefasst werden^ Häufig liegt es näher, an kleine Missverständnisse seitens der Textabschreiber zu glauben, als weithergeholte Hypothesen zu konstruieren. ו) Jeschurun S. 237. 2) Doroth harischonim 198 ,י.