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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 148 (sequence 25)
Language
German
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148 Wesen und Wesentlichkeit usw. Judentum eigentümlichen Form voraussetzt. Zunächst müsste ja, da eine Religion ohne Form, wie wir hörten, undenkbar ist, das Aufgeben der alten Form den Ersatz durch eine neue notwendig machen und das würde auf eine Reform hinauslaufen; eine Reform aber, in des Wortes unverwegenster Bedeutung, hat doch noch niemals das gebracht, was sie bringen wollte! nämlich lebendige neue Religion. Dann, wo winkt in der jüdischen Welt eine Autorität, die hinreichen würde, ein solches Unternehmen zu beglaubigen. Und schliesslich die Hauptsache: Wie könnte das Erneuerung des Judentums werden, was ihm seinen spezifischen Sinn raubt; Die Verpflichtung des jüdischen Volkes, als des auserwählten, zum Wege und Ziele der Auserwählung, als seine Durchdringung mit dieser Pflicht? Was kann sich im Herzen des Judentums erneuern, wenn man die Adern unterbindet, durch die das Blut vom H8rzen durch den ganzen Volks- Organismus und wieder zurückströmt? Was nützt eine Erneuerung im volksleeren Raum? Es kommt übrigens vor allem darauf an, was mit der angestrebten Erneuerung des Judentums gemeint ist. Wenn dabei eine Verurteilung des Judentums, wie es ist, vorausgesetzt wird, dann ist es nur selbstverständlich, dass sie sich besonders auch gegen die Form richtet, die abzulehnen man bei dem ganzen Ringsherum genugsam gelernt haben kann. Will man damit aber bescheidenerweise andeuten, nicht, dass das Judentum veraltet ist, sondern die Juden noch bis heute ihre alte Widerspenstigkeit gegen Geist und Gebot der Thora und ihre alte Unzulänglichkeit in der Erfüllung des Wortes Gottes nicht überwunden haben, ja sogar in den letzten Zeitläuften, durch allerlei modischen Tand beeinflusst, besonders weit vom ewigen Wege des Judentums abgeirrt sind; will man damit sagen, dass sie das Gebot Gottes, ihm ein Volk von Priestern zu sein, bisher nicht erfüllten, dass sie bisher in der Selbstheiligung durchaus zurückblieben, nicht ganz zu Gott hinfanden, das Herz nicht ganz weit für des Nächsten Leid und Freud öffneten, die Schönheit der Welt als Gottes Abglanz nicht voll zu verstehen lernten, —

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