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Jeschurun · 1924-03-01 · Heft 3-4 (März 1924) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 3-4 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 145 (sequence 22)
Language
German
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Wesen und Wesentlichkeit usw. 145 alle die Arten und Abarten samt und sonders religiös zu deklassieren. Und der Entschluss wird ihm kaum leicht fallen. Da wird er wohl vorziehen, die mitbestimmende Wesentlichkeit der Form anzuerkennen. Nun gibt es allerdings auch in bezug auf die Wesentlichkeit der Form Gradunterschiede. Die Mitbestimmung kann bei der einen Formart grösser oder kleiner sein als bei der andern, und zwar umso grösser oder kleiner, je mehr oder weniger innig die beiden Bestandteile Formhülle und Hingebung zur Einheit der Form verwachsen sind. Die betreffende Grade werden sich in Bezug auf die einzelnen Menschen, in denen sich die Vereinigung vollzieht, wenn auch noch genug schwer so doch noch immer einigermassen feststellen lassen. Dagegen dürften die einzelnen Formarten wohl auch von sich aus mehr oder weniger Chancen für das Gelingen einer vollkommenen Vereinigung bieten — und zwar wird hier wohl auch in irgend einer Weise der Inhalt der entsprechenden Hingebung und der entsprechende Ideenhintergrund massgebend sein — aber halbwegs sichere gegenseitige Abmessungen sind kaum möglich. Nur wenn man ganze Religionen auf die Wesentlichkeit ihrer Formsysteme hin vergleicht, wird man mit einiger Wahrscheinlichkeit die wesentlichste, meist mitbestimmende Form der Religion zubilligen dürfen, die ihr den breitsten und fruchtbarsten Spielraum dadurch bietet, dass sie am reichlichsten und aus der vollen Tiefe und Breite ihres Ideengehaltes Hingebung in die Formhüllen einfliessen lässt. Wo aber wäre diese Bedingung mehr erfüllt als im Judentum, als dort, wo es Leitgedanken selbst der gottesdienstlichen, alltagunterbrechenden Form ist, möglichst viel von der Zeit des Einzelnen für die Erinnerung an Gott, für dessen Anerkennung, für die Verknüpfung mit Gott einzufangen; als dort, wo Segensspräche den Tag durchwirken, der Schma-Ruf mehrmals am Tage ertönt, die Posaune erschallt, der Jom Kippur in überwältigender Grösse ragt — ich habe ihn einmal einen einsamen Obelisken und den Propheten unter den Festtagen genannt — in froher Umständlichkeit Pessach gefeiert wird; als dort endlich, 2

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