Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Wesen und Wesentlichkeit usw. ggmwimiBmMBB 141 sittlich bezeichnen, ist dagegen zu sagen: Ein System, das an ein Volk mit dem Imperativ: ״Gott will es״ herantritt, um es mit diesem Imperativ für die letzten religiösen Erkenntnisse und Beseligungen und für die ErklimmuDg der höchsten Stufen der Sittlichkeit zu erhalten, das im übrigen schon gewaltige Wirkungen zum Guten an diesem Volke vollbracht hat, — braucht nicht die Moral jeder seiner Einzelheiten jedem Stöberer gegenüber zu verteidigen. Es trägt seine moralische Beglaubigung in sich, und wenn die Stöberer dem lieben Gott auch nicht einigen Kredit gewähren wollen, umso schlimmer für sie. Besonders beliebt ist auch der Vorwurf der Gleichstellung irgend einer Sünde gegen die Formvorschriften mit irgend einer schweren sittlichen Verfehlung oder einem Verbrechen. Je nach Bildungsgrad und Temperament wird mit derbem Witz oder mit feiner Ironie, mit heissem Ueberwallen oder mit kühler Ueberlegenheit die Ungeheuerlichkeit festgestellt, dass z. B. das Anstecken eines Lichtes am Sabbat nach der Auffassung des formstrengen Judentums ungefähr so verrucht und strafwürdig sei wie ein Mord. Aber hier ist schon das Tatsächliche nicht wahr. Es fällt nämlich dem Judentum gar nicht ein, beide Taten, deren Sündhaftigkeit ganz verschiedenen Ursprungs und ganz verschiedener Beschaffenheit ist, mit einander zu vergleichen. Vielmehr nimmt es zwei gesonderte Feststellungen vor: Die eine, die besagt, dass X. einen seiner Mitmenschen mit bösem Vorbedacht getötet und hiermit eines der heiligsten Gesetze Gottes verletzt, einen der Eckpfeiler, auf denen die soziale und sittliche Decke des Menschheitsbaues ruht, unterwaschen hat; die zweite, die ausspricht, dass Y. eines der strengsten Verbote der jüdischen Formtatgesetzgebung, das Verbot der Sabbatarbeit, übertreten und damit die Grundlage unterwühlt hat, die das jüdische Volk als auserwähltes, als Volk der Einsamkeit und Bereitschaft durch Jahrtausende, als Volk des Moschiach der Endzeit trägt. Gewiss, wenn man der Sache nur mit banaler Voraussetzungslosigkeit entgegentreten will oder kann, dann ist ein Licht nur ein Ding, das ein Paar Pfennige kostet, das Anstecken eine kaum eine Sekunde ■währende Bewegung mit dem