Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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140 Wesen und Wesentlichüeit usw. jüdisch bezeichnet werden, — wenn keine jüdische Musik grösseren Stils geschaffen wird, und wenn — wonach mir die Auf-Gott־ Gestelltheit des jüdischen Volkes geradezu zu schreien scheint — noch keine Häuser gebaut sind, die der Welt den Ewigen auf jüdisch künden, — so liegt die Schuld nicht bei der Form, sondern bei denjenigen, die den Kunstschatz, der gerade in ihr verborgen ruht, nicht zu heben verstehen, bei denjenigen auf der einen Seite, die der Schrecken ob der Katastrophe des Judentums gelähmt hat, und bei denjenigen auf der andern Seite, die diese Katastrophe immer mehr ausweiten, das Wurzelwerk, aus dem eine neue künstlerische Kultur Israels wachsen könnte, immer mehr zerstören. Man lasse bloss hierin einen Umschwung eintreten und es braucht uns dann um eine jüdische Kunst nicht mehr bange zu sein. Denn die jüdische Form ist ja nicht nur eine grandiose religiöse Institution, sondern stellt auch, schon in ihrem Aufbau einen einzigartigen ästhetischen Genuss bietend, mit allem, was zwischen durch und um sie herum an Volksleben sich gebreitet bat, eine reiche Kultur dar, eine wirkliche Kultur — kein Konglomerat, das aus allerlei Kulturen zusammengetragen, zusammengeborgt ist, auch nicht eine Missgeburt, wie sie in irreligiösen Verfallszeiten zum Vorschein kommt — eine Kultur, welche die Kultur anderer Völker dadurch an Kraft überragt, dass das Gebot Gottes ihr ewig sie beherrschender und ewig wirkender Kerninhalt bleibt, während anderwärts Kultur wohl auch immer aus dem Religiösen erwächst, später aber vom Kern sich trennt, selbständige Existenz gewinnt. Mit einem andern Einwand, der die Formkategorie der Lehensbegleitung als dem Empfinden unserer Zeit widersprechend erklärt, werden wir uns in anderem Zusammenhang zu heschattigen haben. Und eine Kritik, die gewisse Bestimmungen für sinnlos erklärt, weil der ihnen innewohnende Sinn von niemandem erkannt ist, erledigt sich durch ihre wahrhaft voraussetzungslose Voreiligkeit von selbst. Desto mehr Aufmerksamkeit verdienen die Angriffe, die sich gegen die Moralität der jüdischen Gesetzesdisziplin richten. Insoweit sie einzelne Bestimmungen herausgreifen und als un-