Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wesen und Wesentlichkeit u3w. 139 so lasse, damit du bleibest und werdest, wie ich will, dass du bleibest und werdest. Gerade die Grossartigkeifc der Konzeption dieser durch die Form bewirkten Schulung des V01ke3 bringt es mit sich, dass ihr viele ohne Begreifen gegenüberstehen und darum umsomehr glauben, sie leicht als minderwertig dartun zu können. Am wunderlichsten sind die Angriffe von der ästhetischen Seite her, — wenn nämlich der hohen Schule des Gesetzes vorgeworfen wird, dass sie nicht soviel Kunst in Israel hat Tatsache werden lassen, wie etwa bei den Griechen in Erscheinung getreten ist, oder gar, dass dieses oder jenes ihrer Ornamente nicht so ist, wie es der Geschmack dieses oder jenes Kultur- Globetrotters haben möchte. Die diese Angriffe erheben, vergessen, dass diese Schule die Schule eines Volkes ist, das von Gott zu Anderem auserwählt wurde, als den Griechen an Kunst gleichzukommen. Nicht alle können alles und dasselbe leisten. Und wenn sich auch nach dem Ausbau der geschriebenen und überlieferten Lehre für das Leben, der die ganze Energie der höheren Geister des Volkes gebunden hatte, das Ergebnis an originaler jüdischer Kunst meist noch unter der der besonderen Bestimmung des jüdischen Volkes entsprechenden Grenze hielt, wenn die künstlerischen Möglichkeiten, die bei voller Achtung dieser Grenze zurückblieben, nicht voll ausgenützt wurden, so kann der jüdischen Form keine unmittelbare Verantwortung hierfür aufgebürdet werden: Nicht für das Mittelalter, in dem die Juden, zu einer Art gedämpfter Existenz und zur fortschreitender Entfernung von der Natur verurteilt, der Form nur die Schranken der Kunst entnahmen, aber nicht die originalen Triebe und Antriebe zur Kunst, die ihr innewohnen. Und ganz gewiss nicht für die neue Zeit. Denn, wenn in dieser Zeit^ in der trotz allem von einer gedämpften Existenz nicht mehr die Rede sein kann, für welche die Form längst fertig und ausgebaut vorliegt, in der auch noch, im Kampf gegen den neuen Feind, den modernen Unglauben, Kunst ein wertvolles Schwert sein könnte, keine wesensjüdische Dicht ung entstanden ist — die hebräische und jiddische unserer Tage kann kaum als Wesens-