Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wesen und Wesentlichkeit usw. 181 der Handlung als Hauptart das Wort als Nebenart einhergeht, und umgekehrt. Die Formart der Institution ist stets mit den beiden andern Formarten verknüpft. Von den Wortarten finden wir bei allen Religionen das Gebet, von den Handlungsarten das Opfer, das Fasten und das grosse Heer der verschiedenen mit Kultusgegenständen vorgenommenen Zeremonien, von den Institutionsarten die Festzeiten und die Gotteshäuser. Die Formarten, Formunterarten und Formspezies haben jede ihren besonderen Sinn, der allerdings nicht immer bekannt oder zu ergründen ist. Die Besonderheit bezieht sich auf die Richtung der Initiative der betreffenden Formgattung, d. h. sie ist von dem besonders bestimmten Inhalt der von ihr umkleideten Hingebung und, noch weiter zurückgehend, von der besonderen religiösen Idee, die dieser Hingebung mit besonders bestimmtem Inhalt zu Grunde liegt, bedingt. Von diesen Faktoren hängt es auch ab, welche Stärke der Initiative den einzelnen Formarten und Formen eignet. Nur dass es meist schwer fällt, die entsprechenden Gradunterschiede zu messen. Solches wird erst dann leichter, wenn man nicht die Formarten und Formen einer Religion unter einander, sondern verschiedene Religionen gruppen oder Religionen auf die Wirkungskraft ihrer Gesamtformen vergleicht. Dann wird man mit einem hohen Masse von Wahrscheinlichkeit sagen können, dass die Form am meisten Wirkungskraft dort hat, ihr Wesen am meisten in jener Religionengruppe oder Religion erfüllt, in welcher ihr und ihren initiativen Wirkungen am meisten Spielraum geboten, ihr Aktionsradius am weitesten gezogen ist. Und man wird hinzufügen dürfen, dass dies dort der Fall ist, wo sich aus der Beschaffenheit der Hingebung und des Ideengehaltes eine ebenso reich gegliederte und in ihren Gliedern zusammenhängende als imperative Form ergibt. Der Polytheismus kennt schon die Anerkennung des göttliehen Persönlichkeitsprinzips, setzt schon Natur und Menschheit mit den göttlichen Mächten in Beziehung, verknüpft schon den Einzelmenschen mit ihnen. Aber weil eben seiner Götter viele sind, weil ihr Macht- und Wirkungsgebiet beschränkt ist, weil