Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Wesen und Wesentlichkeit usw. Die Hingebung im Leben — die in der Befolgung der von der Religion in Bezug auf das Verhalten des Menschen gegen sich, den Nebenmenschen, die Kreatur und die Dinge ausgesprochenen Gebote und Verbote besteht — wird uns hier nur nebenbei und zwar insoferne beschäftigen, als sie wirklich oder scheinbar mit der Hingebung im Geiste in Konflikt kommt. Umsomehr werden wir uns mit der HiDgebung im Geiste zu befassen haben, die wir der Kürze halber im Weitern meist bloss als Hingebung bezeichnen wollen. Die Hingebung im Leben vollzieht sich natürlich ohne jedwede Einkleidung, einfach durch Befolgung der entsprechenden Vorschriften. Die Hingebung im Geiste kann zwar auch als von jeder Einkleidung frei gedacht werden, in Wirklichkeit aber ist sie nur solange davon frei, als sie Stimmung bleibt. Sowie sie jedoch inhaltsbestimmt wird, d. h. in Erfüllung des Ideengehaltes der Religion, in einer bestimmten Hinsicht, z. B. anerkennend, sich versenkend, liebend, lobend, dankend, bittend dem Göttlichen sich zuwendet — und sie drängt unaufhaltsam darnach — muss sie sich in Wort, Gebärde, Handlung kleiden, Form annehmen. Die Form ist es, die ihr zur Tatsächlichkeit verhilft. Da aber Tatsächlichkeit der Hingebung Geltung des Ideengehaltes und diese wieder Verwirklichung des religiösen Wesens bedeutet, steht die Form als Initiatorin religiöser Wirklichkeit, als Hebelwerk der Religion da. Diese Initiative, dieses Hebelsein macht das Wesen der Form aus. Die Form hat zwei verschiedene Wirkungsweisen, und zwar wirkt sie entweder durch unmittelbaren Ausdruck, im Gebet, oder, in allen anderen Fällen, durch das Symbol. Dieses, in dem sich das Wesen der Form zu besonderer Deutlichkeit ausprägt, ist von besonderer Emdrucksmacht auf das Gemüt. Es ist ein Akt mystischer Versinnlichung der Idee selbst, macht die Idee fühlbar, lässt den Menschen die innerste Wahrheit und unfassbaren Geheimnisse der Idee ahnen. Die Form ist entweder eine Form des Wortes oder der Handlung oder der Institution. Die Formarten des Wortes und der Handlung sind oft mit einander verbunden, so dass neben