Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 194 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 Zur Charakteristik usw. Theologen dieses Wasser destilliert“ ג), dass ,wir bei der Wertung und Benutzuug der Quellenaussagen uns vom subjektiven Ermessen leiten lassen, nur die in’s Auge fallenden, dem neuzeitliehen und allgemein religiösen Empfinden entsprechenden Sätze herausheben und die Gegeninstanzen übersehen, wenn auch im besten Glauben, aber bestimmt durch die im Unterbewusstsein schlummernden Vorstellungen und Gefühlskomplexe? Wenn festgestellt werden soll, was eigenes Gut eines alten Autors ist, welches der ursprüngliche Sinn der von ihm in mannigfachen und vieldeutigen Formen niedergelegten Anschauungen ist, dann versucht man, ihn literatur- und kulturgeschichtlich gewissermassen zu isolieren. In Betracht kommen zunächst nur Gedankengänge, die vor seiner Wirksamkeit nicht vertreten wurden. Sodann ist festzustellen, mit welchen Ideen seiner Zeit er vertraut sein konnte, welcherlei Berührungen mit diesen nach seinem Milieu, nach dem geistigen Verkehr, der zwischen den verschiedenen Ländern herrschte, ihm zuzutrauen sind und zuletzt wie lässt sich das von ihm in allerlei oft einander scheinbar sich widersprechenden Ausführungen Gesagte zu einer Einheit zusammenfassen, was ist das Wesen seiner Persönlichkeit und seines Werkes. Analog gilt das Gleiche von den Geistes- Produkten einer Gesamtheit. Nach dem, was wir an Mitteln besitzen, den geistigen Habitus der talmudischen Autoren festzustellen, nach der geschilderten Eigenart des Materials, scheint der angegebene Weg zu einem unantastbaren Wissen über die individuelle Anschauung einer jener Persönlichkeiten oder zu einem völlig objektiven Bild der Gesamtanschauung jener Zeit zu gelangen, wenig erfolgreich. bibelkundigen Josna, der in der Regel den einfachen Wortsinn, die historische Auffassung des Inhalts vertritt und der kunstlericheren Textbehandlung Eleazars. Sicher ist daran Wahres. Aber dass es auch zuweilen umgekehrt ist, gesteht Bacher selbst zu. Aus den Kontroversen zwischen R. Eliezer b. Hyrkanos und R. Josua b. Chan an ja ergibt sich für den Charakter von d§r Exegese R. Josuas doch ein anderes Bild. *) Hamack ״das Wesen des Christentums“ volkstümliche Ausgabe S. 32; gemeint ist das trübe Wasser, als das Harnack die religiösen Lehren der talmudischen Schriftgelehrten erscheinen.