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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 118 (sequence 120)
Language
German
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118 Zur Charakteristik usw. lagen Gefährdende zu verleihen, so sehr ausschlaggebend erscheint doch andererseits im religiösen Bewusstsein die ursprüngliche Vorstellung, dass der Jezer hara eigentlich nichts anderes ist als eben der böse Trieb, das Widerspiel des guten Triebes, mit ihm zusammen nur der Ausdruck für den Widerstreit der Motive, die jedem menschlichen Entschluss vorausgehen. Er ist eben so gut eine Schöpfung Gottes, wie der gute Trieb1); denn er ist letzten Endes nur die psychische Begleiterscheinung der mit der Erschaffung des Menschen, dieses Mittelwesens zwischen Tier und Engel2), gegebenen irdischen Bedürfnisse3), ja der Fortschritt des Einzelnen und der Gesamtheit ist ohne ihm undenkbar, so dass er als die Vollendung der Schöpfung angesehen werden kann4). Schon dass er oft mit dem Herzen identifiziert wird5), zeigt, dass er an sich nicht verderbt ist, dass er eben nur die Bezeichnung für bestimmte Leidenschaften ist, die an sich auch in den Dienst Gottes gestellt werden können6). Grundanschauung ג) Berachoth 61 a. 2) Gen. B. 8,11. 3) Joma 69 b wird in diesem Sinne auch den Tieren der יצר הרע דעברה beigelegt; vgl. daselbst: חבשוה תלתא יומי ובעו ביעתא בת יומא בכל ארץ ישראל ולא אשתכח. 4) Gen. R. 9,7. Man möchte sagen, hier ist Mandeville’s Bienenfabel in nnce. ף M. Berachoth IX 5. 6) פירוש משגיות להרמב״ם zur eben genannten Mischna. Hier haben wir ein recht typisches Beispiel für die Gleichsetzung des Jezer hara mit den natürlichen Trieben. Yorausgeht der Satz: ,Man ist verpflichtet Gott ebenso sehr für das Böse zu danken, das Er Einem zuschickt, wie man für das Gute dankt. Und diese Forderung wird erschlossen aus dem Satz Dt 6, 5 du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, deinem ganzen Leben und deinem ganzen Vermögen. Genau so wie beim Leben und Vermögen die Anlehnung an diesen Satz besagen will, ״selbst wenn man dir dein Vermögen nimmt, bist du verpflichtet, Gott zu preisen, so muss auch das ״mit deinem ganzen Herzen", das gedeutet wird ״mit deinen beiden Herzen, mit deinen beiden Trieben, dem guten Trieb und dem bösen Trieb", in dem Sinne genommen werden: auch wenn der böse Trieb sich in dir regt, musst du Gott preisen. Das kann aber in diesem Zusammenhang nur bedeuten: Wenn bei einem Unglück die natürlichen Triebe der Abneigung und des Hasses gegen das Schlimme, das sie trifft, sich regen, musst du statt dessen den Urheber dieses Bösen lieben und ihn preisen.

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