Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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w Zur Charakteristik usw. 117 der unerschütterlichen Gerechtigkeit Gottes. Nimmt es doch Gott gerade mit seinen Frommen haarfein genau1). Darum das Bangen vor dem Gericht, vor dem auch ein Führer wie R. Jochanan ben Sakkai auf seinem Sterbebette sich nicht frei weiss2). b) Die der Verzweiflung entgegenwirkenden Faktoren im Sündenbewusstsein. Der für das Sündenbewusstsein bestimmende Grundgedanke, dass der Mensch von Anfang an mit der Sünde nicht belastet ist, gibt bei all der Grösse des Verantwortungsgefühls, das mit diesem Gedanken verbunden ist, der Seele gewissermassen eine ungewöhnliche Stärke des Auftriebs. Die Seele, die Gott dem Menschen gegeben hat, ist rein8), er gebe sie ihm so rein zurück, wie er sie empfangen hat4), sie gleicht in ihrer ungetrübten Klarheit der Flamme des Lichtes5). Sie ist zwar mit dem Körper verbunden aber als ihn umfassend und durchdringend, leitend und beherrschend6). So sehr das in der Agada wirksame dichterische Moment der Personifizierung und die Gestalt des שטן im Buche Hiob auch dazu geführt, den bösen Trieb mit den Gestalten der Dämonologie in Verbindung zu bringen und ihm das Unheimliche, Unentrinnbare, den Menschen in allen Lebensx) Jebamoth 121b. 2) Berachoth 28 b. ף ebds. 60 b. 4) Sabb. 152 b. &) ebds. 32 a. 6) Berachoth 10 a. — Der Leitsatz, den Weber a. a. O. S. 225 an die Spitze seiner diesbezüglichen Ausführungen stellt: ,Nach der jüdischen Theologie ist der Leib des Menschen von Natur unrein, weü er irdisch ist, und macht auch die Seele, die vom Himmel her rein in ihr eingeht, durch seine Verbindung mit ihm unrein“, ist in dieser Allgemeinheit falsch. Selbst aus der von Weber S. 225—229 wiedergegebenen Stelle Tanchuma Pikkude 3 geht nicht im geringsten, ״die natürliche Unreinheit“ des Leibes hervor, sondern nur, dass die Seele im Hinblick auf die Verführungen, denen sie im Diesseits au»־• gesetzt ist, nicht durch die Verbindung mit dem Leibe ins Erdendasein eintreten will. In dem bekannten Vergleich von Leib nnd Seele mit dem Blinden und Lahmen (Sanh. 91 a) ist ja auch der Leib nur als ausführendes Organ der Seele gedacht. Im Uebrigen ist diese Tanchumapartie, aus der Weber — wie übrigens oft aus einer vereinzelten Stelle — ein ganzes System von Lehrsätzen der jüdischen Theologie aufbaut (vgl. oben S. 99 Anm. 4), ein Zusatz aus später Zeit. Vgl. Buber’s Tanchuma Einleitung S. 171.