Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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114 Zur Charakteristik usw. heisst es Lev. 20,5. Was hat die Familie begangen? Das will dich lehren, dass es keine Familie gibt, in der ein Zöllner ist, in der nicht alle Zöllner . . . weil sie ihn zu schützen suchen1). Wegen eines falschen Schwurs, den ein Einzelner leistet, wird die Gesamtheit in Mitleidenschaft gezogen2). Israel gleicht einem Lamm. Wenn eins geschlagen wird, dann fühlen es alle, so Israel, wenn einer sündigt, dann spüren es alle3). Israel haftet in seiner Gesamtheit für die Sünden des Einzelnen4). Diese Haftung geht Y0n dem Gedanken aus, dass das Volk in seiner Gesamtheit eine unteilbare Einheit ist: ״Wäre von Israel auch nur Einer am Sinai abwesend gewesen, dann hätte sich die göttliche Herrlichkeit ihnen nicht offenbart5״). Vor allem liegt aber hier die Anschauung zu Grunde, dass das ganze Volk in allen seinen Gliedern vollkommen sein muss und jede Un- Vollkommenheit auch nur eines einzigen Gliedes sich an der Gesamtheit rächt. Dies auch der eigentliche Sinn der Gemeinbürgschaft, die in dem bekannten Satze ausgesprochen ist: כל ישראל ערבין זד. בזד« alle Israeliten bürgen für einander6). In schlichterer Form zeigt sich uns das Verantwortungsgefühl, wenn die Führer den Sünden ihrer Zeit nicht entgegentreten. Das Volk folgt seinen Führern: Hosea 4,7 כרבם כן חטאו לי wird gedeutet ״ :כרבםwas die Grossen tun, dem folgen die Zeitgenossen7 ״). Wer seinen Hausgenossen hat wehren können und es nicht getan, wird verantwortlich gemacht für das, was seine *) Sifra zu Lev. 20, 5. 2) Schabuoth 39 a. 3) Mech. zu Ex. 19,6; nach der einleuchtenden Yerbesserung von Weisz. 4) Sanh. 43 b und Jer. Sota YI15 Kr. 22 a. Ueber die sehr schwierige Frage, dass nach der von Rabbi Jehuda und R. Simon b. Lakisch vertretenen Anschauung, von der Ueberschreitung des Jordans bis nach der Zerstörung des zweiten Tempels diese Gemeinbürgschaft auch für die verborgenen Sünden güt, vgl. Wohlgemuth a. a. O. S. 140 f. ף Dt. R. 7,8. 6) Sifra zu Lev. 26,37; hyperbolisch erweitert in Sota 37 b; vgl. die aufschlussreiche Abhandlung von A. Abeies ״Alle Israeliten sind Bürgen, Einer für den Anderen“ Schwarz-Festschrift S. 231 ff. י) Dt. R. 2,19.