Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Charakteristik usw. 113 hienieden, sich durch seine Arbeit im Dienste Gottes die Vollkoramenheit und damit das Anrecht auf das jenseitige Glück zu erwerben. Der Böse hat dies Anrecht verwirkt. Es steht dem Menschen nicht an, zu entscheiden, dass er zu den Guten gehört. Er darf sich höchstens zu den ״Mittleren״ rechnen1) bei denen das Gute und das Böse sich die Wage hält. Jede sündige Tat, die er übt, kann nun für sein endgültiges Verhältnis zu Gott entscheidend sein2). Man darf nicht vergessen, dass nach Ezechiel 18 21—28 es festgewurzelte Ueberzeugung war, dass der Mensch nach dem letzten Stand, den er vor seinem Tode in seiner Stellung zu Gott einnimmt, beurteilt wird3) und dass man sich jederzeit hinsichtlich der Abrechnung vor Gott als unmittelbar vor dem Tode stehend betrachten sollte4). Aber viel schwerer drückt noch die Verantwortung. Das Ziel der Welt, der Sinn der Schöpfung überhaupt ist, dass das Gute sich durchsetzt. Ist das Böse vorherrschend, so hat das fernere Dasein der Welt keinen Sinn. Da wiederum es jederzeit zweifelhaft sein kann, ob das Böse und Gute in der Welt nicht gerade im Gleichgewicht mit einander, so kann der Einzelne durch seine Sünde den Ausschlag zur Vorherrschaft des Bösen und damit zur Verurteilung der Welt geben5). Ist hier in einem mehr übertragenen Sinne von den weittragenden Folgen, die die Schuld des Einzelnen für die Gesamtheit nach sich ziehen kann, die Bede, so fehlt es andererseits nicht an vielen Aussprüchen, die die Haftung der Gesamtheit für den Einzelnen sehr konkret nehmen und darum ihm die Schwere eines jeden Vergehens noch viel deutlicher vor Augen führen. ״Ich wende mein Antlitz gegen diesen Mann und seine Familie* x) Berachoth 61b spricht sogar ein Führer seiner Zeit Rabba: במן אנו ״ ,בינוביםauch wir z. B. sind nur solche, die in der Mitte stehen״, worauf ihm freilich sein Schüler Abaja erwidert: לא שביק מר חיי לכל בריה dann hast du ja jedem die Möglichkeit des Seins abgesprochen. 2) Tosefta Kidd. 1,14. •־) ebds. 1,15. 4) Sabb. 153 a. ף Tosefta Kidd. 1, 14; Kidd. 40 b. S