Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Charakteristik usw. 111 Kritik geübt wird1). Dass andererseits Talmud und Midrasch in Erweiterung und Ausdeutung des Bibelwortes die Vorzüge 84.. Lebensjahr noch keine Befleckung an sich gemerkt, Rahel und Lea um Jakob’s Gunst nicht um fleischlicher Lust willen eiferten, ist ja absolnt nicht dafür als Beweis zu erbringen, dass es ״das Hauptaugenmerk des ganzen Midrasch ist, die Geschichte Israeli von allen Flecken zu reinigen“. Es stände dem Talmud und Midrasch schlecht an, wenn sie die hei ihnen beliebten Erweiterungen und Vertiefungen dss Bibeltextes gerade auf Leben und Wesen der Heroen der Bibel zu ihrer Verherrlichung nicht angewandt hätten. — Ebenso ist der gesamte § 14, 2 hei Weber a. a. 0. abwegig. Wir sahen oben, wieviel die Talmudisten an Israel auszusetzen hatten. Was soll es bedeuten, wenn Weber nachzuweisen sucht, dass für den Talmud und Midrasch ״Israel im Unterschied von den anderen Völkern das heilige Volk heisst“. Sollten sie sich im Gegensatz zur gesamten Bibel stellen, wo doch auch nach den schwersten Anklagen der Propheten diese Anschauung für sie fast ein unerschütterliches Dogma ist? (Jes. 2,2—4, Jer. 2, 2—3, Ez. 17,60 — 62, Hos. 2, 1—3, Micha 9,8 b ff. u. s. w.) W. bemerkt ferner (S. 233): ״Wenn von anderen grossen Heiligen, wie Moses, Sünden zugegeben werden müssen, so sind sie doch zu zählen“. Nun, es genagt wohl demgegenüber auf oben S. 1Q5L hinzuweisen. Genügt diese lange Liste nicht für einen Mosche?! — Und was soll man zu dem Satze sagen: ״Es gibt keinen deutlicheren Beweis für die talmudische Ueberzeugung von dem absolut heiligen Charakter Israels als dass zu allen Stellen der Schrift, in denen Israel gerügt wird und ein schlimmes Prädikat hat, für Israel die Bezeichnung ״ שונאי ישראלdie Hasser Israels“ eingesetzt und somit jedes tadelnde Prädikat nicht Israel selbst, sondern den Gottlosen in Israel beigelegt wird, die dem heiligen Volk solchen Schimpf zugezogen haben. Zu allen Stellen? Man vergleiche nur die oben von uns S. 109 gebrachten Zitate. Doch vor allem: Jeder Leser des Talmuds weise, dass die Anwendung der Bezeichnung שונאי ישראל die Bedeutung einer Art von Euphemismus hat, wie ההוא גברא die dritte Person für die erste Person eingesetzt wird, wenn jemand von einem Unglück spricht, das ihn treffen könnte. Sie wird auch nicht bei den Sünden Israels gebraucht, sondern bei dem Verderben, das Israel hätte treffen können, wie Weber gerade aus den Beispielen hätte sehen können, die er selbst anführt: Mechilta zu Ex. 12. 2 und zu Ex. 12, 27. Auch sind unter שונאי ישראל nicht gerade die Gottlosen in Israel gemeint. Der Gebrauch dieses Euphemismus geht übrigens schon auf die Bibel zurück: II Sam. 12,14: אפם בי נאץ נאצת את• איבי ה׳, worauf zufällig die Ausführungen Weber’s passen würden, da es sich da um ein Lästern Gottes handelt. ג) Dass es jedoch auch in späterer Zeit an einem selbständigen Urteil nicht fehlt, dafür vgl. u. a. a. die Auseinandersetzung R. Samuel b. Meir’s über das Verhalten jakob’s zu Esau in seinem Pent&teucbkommentar zu Gen. 22,7 f. 82,29.