Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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110 Zur Charakteristik usw. durch das Beispiel seiner Helden zu begeistern1), tritt diese Seite der Beurteilung auch zurück2), zumal in der späteren mittelalterlichen Literatur. Wir finden hier nicht mehr ^vie in der älteren Midraschliteratur, das3 an den grossen Vorbildern *) Vgl. die Worte R. Jehuda’s דייך ר׳ מאיר אין דורשי; עיר היצירים לגנאי אלא לשבה שלא בתן שיר השירים אלא לשבחן של ישראל. 2) Wir haben nur eine Auswahl der Aussprüche gegeben, die für die Beurteilung der Heroen der Bibel und Israels nach ihren Schwächen und Vergehungen, ihren begangenen Sünden beizubringen wären. Und nun urteile man selbst, ob die lapidaren Sätze Weber’s (a. a. 0. S. 51-06) die er am Anfang und Schluss seiner Belegstellen zu § 14, 3 bringt, berechtigt sind. Sie lauten: ״Es ist das Hauptaugenmerk des ganzen Midrasch, dass die Geschichte Israels T0n allen Flecken gereinigt wird״. Und ferner: ״so sind also die Yäier und die Grossen Israels untadelig״. Und worauf stützt er sein Urteil? Im wesent־ liehen auf die Partie im Talmud: Sabbath 55 b— 56 b. Dort wird vorher die Frage erörtert, ob ein jeder für seine eigene Sünde stirbt oder ob es Sündenreine gäbe, die בעמיו של נהש, nur infolge Adam’s Vergehen beim Sündenfall starben. Höchst charakteristischer Weise werden dort als solche, die völlig sündenfrei gewesen, gerade wenig hervortretene Gestalten der Bibel genannt: Benjamin, Amram, Jischai und Kaleb, der Sohn Daviäs’s. R. Samuel ben Nachmeni (der übrigens Sabb. 89 b gegen Abraham und Jakob in Ausdeutung von Jes. 62,16 den Vorwurf erhebt, dass sie Israels sich nicht angenommen haben, sodass Gott selbst ihnen tadelnd zuruft: לא בסבי טעפא ולא בדרדקי עצה) — überliefert im Namen vonR Jonathan eine Liste derer, von denen die Bibel berichtet, sie hätten gesündigt, ohne dass es in Wirklichkeit eine Sünde gewesen. ״Wer sagt Kuben habe gesündigt, der irrt, das wird dann bewiesen, das gleiche gelte von den Söhnen Elrs, Samuels, von David, Salomo, Josijahu.— Wer diese Partie mit unbefangenem Auge liest, sieht, dass sie cum gr&no salis za nehmen ist und dass die Ausführungen R. Samuels b. N. ja durch vielfache Fragen heftig umstrittten werden. Jakob’s Verhalten zu Laban, seine ״Erlistung der Erstgeburt״ hat die Schrift selbst nicht geissein wollen. Ebenso heisst es beim Tode Nadab’s und Abihu’s ja in der Schrift selbst: ״Durch die, die mir nahe stehen, will ich geheiligt werden״. Von den neun Sünden, die, wie oben erwähnt, vom Midrasch Nadah und Abiha zugeschriehen werden, hören wir nichts bei Weber. Inbezug auf das goldene Kalb, sagt Weber selbst, dass die Anschauung, Israel habe hier nichts Besonderes begangen, nicht darchgedrungen sei: ״Der Abfall wird sonst wie ein zweiter Sündenfall angesehen.״ Was sollen also jene vereinzelte Stellen zum Beweis, dass ״die Geschichte Israels von allen Flecken gereinigt wird״. Alles andere, was Weber beibringt, dass Abraham der Heilige ist, Isaak vom sündigen Trieb entwöhnt wurde, Rebekka eine Rose unter den Dornen ist, Jakob bis ins