Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Charakteristik usw. 97 Judentums im Wachsen ist1). Wir hoffeD, dass unsere Beleuchtung ein der Wahrheit näher kommendes Bild zeigen wird. I. Die Aussagen der Quellen. a) Die niederdrückenden Faktoren im Siindenbewusstsein. Es ist feststehende Ueberzeugung, dass der Mensch auf die Sünde angelegt ist (nicht etwa, dass er sündenbeladen geboren wird). Schon der Umstand, dass er aus den Elementen der oberen und unteren Welt geschaffen ist2), dass sein Leib in einen Gegensatz zur Seele gestellt3), dass er als aus einem übelriechenden Tropfen entstanden bezeichnet wird4) beweist es und vor allem das Gebot, das dem ersten Menschen Gen. 2,16 gegeben wird und in dem unsere Weisen die noachidischen Gesetze angedeutet finden5), die wiederum nach anderen eine ganze Gesetzgebung enthalten6). Denn der Sinn des Gebotes fordert die Möglichkeit der Uebertretung. Ja, es ist nach talmudischer Auffassung recht eigentlich der Sinn der Erschaffung des Menschen, dass in ihm als dem zur Sünde befähigten die Schöpfung sich kröne. Im Reiche Gottes sollte es noch eine Gattung von Wesen l) In erster Reihe bei dem Standard work für diese Frage, dem er- ,wähnten Werke von Köberle. -) Leviticas Rabba 9. s) Mechiltha 43 b. 4) Aboth III1. Falsch ist die Uebersetzung von מפה סרוחה mit ״befleckter Samen“ bei Weber a. a. O. S. 226י wie ja die Fortsetzung des Ausspruchs an der angegebenen Stelle ולאן אתה הולך למקום עפר רמה ותולעת zeigt. Demgemäss sind auch die Folgerungen, die Weber darau3 zieht, unzutreffend. Im Allgemeinen ist die Darstellung, die Weber a. a. 0 S. 225—231 über ״Entstehung und Wesen des sündigen Menschen“ nach der Auffassung von Talmud und Midrasch gibt, richtig. Nur dass jene detaillierte Schilderung, die er auf S. 225—227 gibt (aus Tanchuma Pikkude 3 zitiert), völlig vereinzelt steht und eine Verallgemeinerung für das religiöse Bewusstsein jener Zeit völlig abwegig ist. ף Sanh. 56 b. K) sodass auch ihre Anzahl auf dreiasig angegeben wird Chullin 92 a; durch das אעוזו וכל אבזרייהו Sanh. 74 b ist die Erweiterung unbegrenzt.