Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293028--06747-2300029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
96 Zur Charakteristik usw. kryphischen Literatur, die wohl nicht zum geringsten Teil wegen ihrer Phantastik, ihrer Ueberspannung, ihrer Unausgeglichenheit dem Kanon ferngehalten wurde und aus dem Bewusstsein des talmudischen Judentums bis auf wenige Reste völlig schwand, wird, weil den Forschern besonders vertraut, fast ausschliesslich herangezogen und die talmudischen Quellen werden, weil schwer zugänglich, wenig benutzt1). Und endlich fordert der Anspruch des Christentums, dem Judentum gegenüber die vorgeschrittene Stufe zu bedeuten, als Erlösungsreligion die absolut vollkommene zu sein2), die erwähnte Charakterisierung des jüdischen Sündenbewusstseins. Eine gerechte Stellungnahme muss aber anerkennen, dass das Streben nach einer objektiven Würdigung auch dieses Ausschnitts aus dem Komplex der religiösen Anschauungen des prägnante Darstellung und das Fehlen des wissenschaftlichen Beiwerks, das den Laien verwirrt, und so einzigartig es dadurch ist, dass ein gläubiger Christ sich völlig in die Seele der jüdischen Weisen versetzt, geht zu wenig im Einzelnen auf die Charakterisierung der pharisäischen Frömmigkeit ein. Es zeigt mehr, wie die Pharisäer gegenüber den Vorwürfen, die gegen sie im Neuen Testament erhoben werden von ihrem Standpunkt ans im Rechte sind. T. hat, wie er selbst (S. 183) hervorhebt, die Quellen nicht in ihrer Fülle des Beweismaterials sprechen lassen, die nötig ist, nm auf den Gegner Eindruck zu machen. — Auf die Würdigung, die unser Gegenstand in Max Brod’s מHeidentum, Christentum und Judentum “ gefunden hat, kommen wir noch zurück. *) D. A. Chwolson ״das letzte Passamahl Chr.“ 71. Felix Perles *Bousset’s Religion des Judentums“ S. 22—24, dessen Beurteilung des Werkes von Bousset übrigens weit über eine blosse Kritik hinausgeht und eine ganze Fülle von Anregungen gibt. J. Eschelbacher ,das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie* S. 38. 2) Köberle a. a. 0. S. 674: Das Judentum der Diaspora . . . vermochte natürlich nicht das Erlösungsbedürfnis za befriedigen, welches die heidnische Welt erfüllte. — Auch für diejenigen Gelehrten, die nicht vom theologischen Standpunkt sondern von dem der religionsgeschichtlichen Erforschung an die Beurteilung des Verhältnisses der christlichen zur jüdischen Religion gehen, ist es ein Dogma, dass das Christentum die absolute Religion ist gegenüber den anderen Religionen, die einschliesslich des Judentums nur relativen Wert haben, weü das Christentum Erlösangsreligion. Vgl. die verechiedenen Gruppierungen der Religionen bei Chantepie de la.