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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 95

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Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 95 (sequence 97)
Language
German
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Zur Charakteristik usw. 95 Zur Charakteristik des Sündenbewusstseins im talmudischen Judentum. Von Dr. J. Wöhlgemuth, Berlin. Das Sündenbewusstsein des talm. Judentums steUt sich den nichtjüdischen Beurteilern als ein zwiespältiges dar. Einerseits soll es sehr mangelhaft ausgebildet und wenig vertieft gewesen sein, eine Folge der Selbstgerechtigkeit des sich auserwählt dünkenden Volkes und seiner als im vermeintlichen Besitze der allein selig machenden Wahrheiten und Güter anmasslichen Führer Andererseits doch wieder so übertrieben und hemmungslos, dass es in innere Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit ausmündete1). Sicher ist dies Urteil mitbestimmt durch die religiöse Einstellung und die Forschungsmethoden der christlichen Theologen. Die Autorität der neutestamentlichen Schriften bleibt nicht ohne Wirkung auf die Annahme von der ,,Selbstgerechtigkeit der Pharisäer“2). Die fast ausschliessliche Benutzung der apo- 1j Unter v. a. sei aus den hier in Betracht kommenden Hauptwerken citiert: F. Weber ״.Jüdische Theologie auf Grund des Talmud und verwandter Schriften“ 2. Aufl. S. 383: ״die fieilsgewissheit wird nicht erlangt, die Sicherheit des religiösen Bewusstseins, die Freudigkeit zu Gott mangelt dem Sünder und die Furcht begleitet ihn bis zum Tode, ja über diesen hinaus“. W. Bousset ״die Religion des Judentums im neutest. Zeitalter“ 2. Aufl. S. 116: . .. ״jene nervöse, gereizte, überanstrengte auf der Seele des einzelnen schwer lastende Frömmigkeit“ S. 215: ״die ganze aufgeregte pharisäische Frömmigkeit, das Schwanken zwischen tiefstem Sündenelend und hochmütiger Selbstgerechtigkeit, das Klagen um die Tiefe der menschlichen Sünde, das Anschreien der göttlichen Gnade . .J. Köberie, ״Sünde und Gnade im religiösen Leben des Volkes Israel bis anf Chr.“ S. 516: ״dem Gewissenhaften und Ernsten musste eine nnerträgliche Quai erwachsen aus dem ewigen Gefühl des Zwiespalts zwischen Sollen und Sein. Was musste es für eine Marter sein, immerfort das Ideal sich selbst Vorhalten zu müssen und immerfort zu empfinden, dass dasselbe nicht erreichbar sei. Und dabei handelte es sich um die allerpersönlichste Angelegenheit, nicht bI03s um Frieden und Lebensfrende, sondern um ewiges Leben and ewiges Verderben“. 2)Das Werk von Travers Herford ״das pharisäische Judentum“ so überaus wertvoll es gerade in seiner Wirkung auf weite Kreise ist durch seine

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