Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wolf Jawitz זצ״ל 9S Grundtendenz, die jüdische Geschichte als Aeusserung des göttliehen Waltens an Seinem Volke zu verstehen. Im Laufe von 3 Jahrzehnten beschenkt Jawitz die hebräische Literatur mit den Fortsetzungen seines Werkes. Leider ist dieses unvollendet geblieben. Der letzte (10.) noch nicht erschienene Band behandelt die Geschichte der Geonim. Vor wenigen Monaten übertrug Jawitz die Herausgabe dieses Bandes seinem langjährigen Freunde Dr. B. Lewin-Haifa. Der Hauptwert der תולדות ישראל liegt in der zusammenhängenden, liebevollen Schilderung der jüdischen Geschichte und der selbständigen Bearbeitung der Quellen. Die zahllosen Belege in den Anmerkungen beweisen die souveräne Vertrautheit mit der in Betracht kommenden Literatur. In den vielen Exkursen מוצא דבר am Ende der einzelnen Bände gibt uns Jawitz die auf gründlichen Untersuchungen beruhenden Unterlagen seiner Auffassung. Hier zeigt sich allerdings, dass seine Hauptstärke mehr im liebevollen Erfassen und Schildern, als in kritischem Forschen liegt. Wir haben bei Jawitz nicht die zermalmende Kritik eines Halevy, auch nicht dessen geniale Konstruktion ganz neuer Auffassungen. Die דורות הראשונים sind ein gewaltiges Quellenwerk zur jüdischen Geschichte; titanenhaft werden Berge entwurzelt und Blöcke auf Blöcke getürmt, bis uns Fundament und Umrisse imposanter Riesenbauten erscheinen. Doch vermissen wir nur zu oft die weitere Bearbeitung, welche den grossen, von Halevy ans Tageslicht geförderten Stoff der Allgemeinheit der Leser zugänglich macht. Ganz anders wirkt Jawitz. Seine Forschung lässt sich an Schärfe und Tiefe nur selten mit der Halevy’s vergleichen. Dafür aber ist er Meister der Erzählung. Er versteht es, die Geschichte des jüdischen Volkes vor seinen Lesern zu entrollen und ihr einen weiten Kreis von Freunden zu gewinnen. Und wer תולדות ישראל gelesen, wird durch sie zum Verständnis und zur Liebe der jüdischen Tradition erzogen. So recht bezeichnend für das Verhältnis von Jawitz zu Halevy, ganz besonders aber für seine rührende Bescheidenheit und neidlose Anerkennung ist es, wenn Jawitz in einer Anmerkung zu dem Kapitel über die Ordnung der Mischna (6. Band, Seite 212 und 213) schreibt: ״Wir können bei