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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 91 (sequence 93)
Language
German
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Wolf Jawitz Wf 91 Wolf Jawitz זצ״ל. Rabbi Wolf Jawitz' Hinscheiden bedeutet einen schweren Verlust für Judentum und Wissenschaft. Jawitz gehörte zu den Männern, die gleichzeitig geliebt und geachtet waren. Sein ruhiges, liebevolles Wesen war nichts äusserlich Angewöhntes, es entsprang seinem innersten Empfinden. Immer war er bestrebt, an den Menschen seiner Umgebung das Gute herauszufühlen, weil er überhaupt an das Gute im Menschen glaubte. Wohin sein wechselvolles Leben ihn führte, überall zeigte sich bei Jawitz die gleiche Harmonie seines Wesens. Er war derselbe abgeklärte Beobachter und mitfühlende Freund in Jerusalem und in Berlin, in Wilna, in Antwerpen und London, mochte er schwer zu ringen haben um die einfachsten Lebensnotwendigkeilen, oder frei von wirtschaftlichen Sorgen in Ruhe arbeiten können, nie lies3 er sich von äusseren Verhältnissen niederdrücken £oder in seiner Arbeit stören. Mit regstem Interesse verfolgte er das pulsierende Leben der jüdischen Gegenwart. Er gehörte zu den Gründern des Misrachi und war auch jahrelang einer der führenden Persönlichkeiten innerhalb der misrachistischen Bewegung, ohne aber je im Kampfe hervorzutreten. Streit war seiner ruhigen Gelehrtennatur zuwider; stets aber war er bereit, einem jedem, welcher politischen Richtung er auch angehörte, mit Rat zur Seite zu stehen. Auch als jüdischer Historiker ist Jawitz eine der sympathischsten Gestalten. Lernen, Lehren und Betätigung des Gottesgesetzes aus innerster Ueberzeugung war bei ihm vereint mit umfassendster Kenntnis von Bibel, Talmuden und Midraschim sowie der ganzen rabbinischen Literatur. Dabei wusste er alle wertvollen Elemente der europäischen Kultur, ganz besonders die exakten Formen der modernen Wissenschaft, voll zu würdigen. In der Ueberzeugung, aus den Geistesschätzen der ganzen Welt lernen zu können und zu müssen, liess er sie als streng toratreuer Jude auf sich einwirken, ohne jemals unter den Bann irreligiöser Anschauungen zu geraten. Festgewurzelt war Wolf Jawitz im Judentum und seiner Tradition, nichts konnte ihn in

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