Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mischna Megilla 89 spricht den Priestersegen. Wenn er minderjährig ist, so tritt sein Vater oder sein Lehrer in seiner Vertretung vor“. (Mischna MegLLla IV, 5, 24a). Welches Motiv liegt dieser tannaitischen Bestimmung, dass der Maftir als Vorbeter fungiert, zugrunde? Aus der Gemara ist das nicht klar zu ersehen, da die Behandlung unserer Mischna dort eine sehr kurze ist. Zwar fragt Babli z. St: ״Welches ist der Grund?“ Ob diese Frage sich aber auf den ersten oder den zweiten Teil der Mischna bezieht, ist zweifelhaft. Nach Rascbi in der Talmudausgabe bezieht sie sich auf den ersten, nach Rascbi in der Rif׳־Ausgabe dagegen auf den zweiten Teil unserer Mischna. Auch Jeruschalmi ist kurz und dunkel und es scheint, dass er die Mischna nicht als eine wörtlich verpflichtende Bestimmung ansieht. Ebenso ist aus Sofrim XIV 8, wo unsere Mischna zitiert wird, keine Antwort zu gewinnen, da dort die Bestimmung der Mischna dahin eingeschränkt ist, dass der Maftir das beim Ausheben der Thora übliche Schma vorzubeten habe. Wir sind also, da die Quellen schweigen, auf Vermutungen angewiesen. Ausführlicher behandelt Elbogenin seinen ״Studien zur Geschichte des jüdischen Gottesdienstes“ unsern Satz, und er kommt aus Gründen, die man dort nachlesen möge, zu dem Ergebnis, dass unsere Mischna kein Gesetz, sondern eine Gebrauchsanweisung enthalte. Die Gemeinde sollte davor geschützt werden, dass Unkundige den Vorbeterdienst übernahmen, und es sei ein Mindestmass von Kenntnissen festgesetzt worden, die man vom Vorbeter forderte. Unsere Mischna sei dahin zu interpretieren, dass, wer in den Propheten zu lesen versteht, auch als Vorbeter fungieren dürfe. Sei er minderjährig, so entspreche es zwar nicht der Ehre der Gemeinde, dass er selbst fungiere, aber diejenigen, denen er sein Wissen verdanke, sein Vater — und der war in ältester Zeit der Lehrer seiner Kinder — oder sein Lehrer träten dann an seiner Stelle hin, da man bei ihnen die für den Vorbeter erforderlichen Kenntnisse mit Sicherheit voraussetzen kann.