Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Zur politischen Geschichte usw. Nicht umsonst wollte Hadrian die furchtbaren Opfer gebracht haben, die ihn dieser Krieg gekostet hatte. Für alle Zukunft sollte die Wiederholung eines solchen Aufstandes unmöglich sein. Vespasian und Titus hatten gegen den rebellischen jüdischen Staat gekämpft und mit seiner Zertrümmerung sich begnügt. Gegen Hadrian hatte sich das jüdische Volk erhoben; jetzt sollte dieses vernichtet werden. Vespasian und Titus hatten Jahne und seine Gelehrten verschont, und in knapp zwei Menschenaltern hatten diese Gelehrten und ihre Schüler das Volk aus dem staatlichen Zusammenbruch wieder erstehen lassen. Die Volksseele, das Gesetz, hatte den Körper neu belebt. Hadrian kannte die jüdische Nation zu gut, um an ihre Vernichtung zu glauben, so lange die Lehre Israels noch bestand. Selbstverständlich führte der Kaiser jetzt seinen alten Plan aus, eine neue Stadt an der Stelle Jerusalems zu erbauen. Sie ward aber nicht nur militärischer Stützpunkt der römischen Macht, sie wurde jetzt eine vollkommen griechisch-römische Kolonie, sichtbarer Ausdruck des siegreichen Hellenentums, wie es Hadrian verstand. Der Name Jerusalems hörte auf; die neuerbaute Stadt wurde nach dem Familiennamen des Kaisers und nach dem römischen Jupiter Capitolinus Colonia Aelia Capitolina genannt Der alte Name verschwand in den öffentlichen Akten 80 gründlich, dass nach hundert Jahren ein römischer Stattkalter Palästinas nicht wusste, was für eine Stadt Jerusalem sei67). Kein Jude durfte in der Aelia wohnen; bei Todesstrafe wurde den Juden verboten, die heiligen Stätten aufzusuchen68). Am Tore, das nach Betlehem führte, wurde in Marmor das Bild eines Schweines ausgehauen69), gleichzeitig als Symbol des siegreichen Heeres und als bitterer Hohn gegen die Besiegten. Auf dem Morija70) wurde an der Stelle des Heiligtums ein Götzentempel 67) Euseb. de mart. Pal. 11, s. Grätz IY, 4 8. 163. 68J Justin Apol. 147, Dialog, c. Tryph. 16; Euseb. Hist eccl. IY 6, s. Schürer 1,3—4 S. 699 Anm. 146. 69) Hieron. Chron. ad ann. Abr. 2152; Salzer, Magazin IY, 31; Schürer I S. 700 Anm. 150. 70) YgL Dio Cassius 69,12; Hieronymus, Comm. in Jes. 2, 9; Schürer I S. 700 Anm. 151 u. 162.