Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 Untersuchungen über die Entwicklung usw. 1) Die Auslegung dieses מעבידם im erstgenannten Sinn kommt sonst im ganzen babylonischen und palästinischen Talmud und im übrigen massgebenden jüdischen Schrifttum nicht vor, wohl aber die bei unserer Erklärung der Gemarastelle vorausgesetzte. Im palästinischen*) Talmud, Horiot III, 2 und Sanhedrin 11,1 (ohne Anführung der Stelle selbst) wird dieses Wort ausdrücklich im Sinne von ״absetzen״ erklärt. Ganz genau so in einer anderen, für die traditionelle Auslegung wichtigen Quelle, nämlich in מדרש שמואל (ed. S. Buber, Krakau 1893) Parscha VII,5. 2) Wenn es auch Differenzen zwischen Talmud und Massora gibt, 80 ist doch jede einzelne von ihnen eine grosse Auffälligkeit. Daher ist die Lesart מעבדים vorzuziehen: denn sie entspricht völlig unserem massoretischen Text, während die Form מעבירים nur in einer einzigen von den sehr vielen bei Ginsburg (נביאים ראשונים,, London 19il) angeführten Handschriften steht. In diese eine Quelle kam der Fehler wohl auf dem Wege über Raschi oder über die fehlerhafte Lesart in der Gemara. 3) Nach der gewöhnlichen Erklärung gibt sich die Gemara schliesslich mit der Auslegung zufrieden, welche lautet: מעבירם ״er hat sie verführt“. Das eigentliche Akkusativobjekt ist dann עם. Die Verbindung מעבירם (= מעביר אותם) עם ist aber grammatisch anfechtbar: es müsste heissen א ת עם ... Die Auslegung מעברים עם dagegen ist grammatisch richtig: ״das Volk hat abgesetzt.“ 4) Durch die neue Auffassung wird eine alte in der Gemara stehende Lesart erklärt, die umso mehr Wahrheits- J) Wenn die Lesart רבא בדיה דרב יהושע (statt . . . רב הובא בריה) richtig ist (cf. Talmudausgabe Wilna 1883), so ist, da dieser Lehrer sonst im babylonischen Talmud nicht mehr vorkommt, die Annahme möglich, dass er ein palästinischer Gelehrter ist. Seine Auslegung des }סעכרי entspricht völlig der des palästinensischen Talmuds, dem sie besonders geläufig gewesen sein muss, da er sie an der einen Stelle (Sanhedrin II, 1) nur in einer kurzen Andeutung wiedergibt Dass ein palästinischer Talmudlehrer (Amoräer) im babylonischen Talmud vorkommt, ist nicht auffallend. Dies findet sich auch an anderen Stehen.