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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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30 Goethe und die Bibel Lebensfülle, das Tatengebärende der Religion fehlt diesen mir ästhetisch-ethisch Affizierten zumeist. — Somit ist die Goethescbe Xenie, wie so vieles Aphoristische und Paradoxe in den zahmen Xenien, nur als geschickt gefasstes Epigramm, als geistreiche Antithese, aber nicht als absoluter Wahrheitssatz zu bewerten . . . Als wahre, zutiefst ruhende Meinung Goethes bleibt zu bypostasieren: Goethe will für die Allgemeinmenschheit die Religion der Ehrfurcht (als Höchstes das Staunen) vor dem Höchsten und Unerforschlichen, die Andacht vor dem ״ewigen Meistermann“ gelehrt wissen, die Erfassung der rein zeitliehen Idee des Geistes und dessen Offenbarungen In der kosmischen Natur und Körperweit, die Idee des Göttlichen und Schicksalhaften im buntdurchwirkten Menschengeschick, das Gottge füh 1, welches dem Menschen in seiner Hilflosigkeit oft in übernatürlicher Weise zu Hilfe kommt, das ״Kreaturgefühl“, wie es Goethe nennt, das Bewusstsein im Menschen von der Abhängigkeit des Körperlichen vom Unendlichen. — Dies etwa ist die Quintessenz der Lehrmeinung, die Goethe über die Religion und ihre Berechtigung für eine Allgemeinheit hatte (s. Obenauer, Goethe in seinem Verhältnis zur Religion, p. 136 f.). Dies sind die einzigen sich ern Verbindungsfäden, die von Goethes dogmenfreiem wesentlich pantheistischem Glaubensbekenntnis zu den positiv gerichteten Religionssystemen hinüberleiten. Weitere Schlüsse zu ziehen wäre nur gewagte Hypothese. In diesem Zusammenhänge ist auch von Belang zu hören, was Deutschländer (1. c., p. 155) über Goethes Gottvertrauen zu sagen weiss, das in vielen Briefstellen und Aeusserungen in rührender Form zum Ausdruck kommt. Sein Gottvertrauen steigert sich oft fast bis zur gläubigen Gewissheit,

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