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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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26 Goethe und die Bibel Hier legt Goethesche Weisheit die Hand auf einen grundlegenden Unterschied zwischen dem guten Handeln, das dem religiösen Ethos entspringt, und dem guten Handeln, das nur einem moralischen Impulse, also einer Nützlichkeitserwägung entspringt. Es wohnt eben dem vom religiösen Gefühl diktierten Handeln ,etwas Seltsames inne, ein eigentümlicher Zug von unirdischem Denken, durch den es sich von den Kant’schon Pflichthandlungen ebensoweit entfernt, wie die Bergpredigt von der Ethik des kategorischen Imperativs״. (Aus der hervorragenden Darstellung der ״Religionsphilosophie״ des Kieler Philosophieprofessors Heinrich Scholz, Berlin 1923* S. 123; eine genauere Würdigung des Werks bleibe Vorbehalten.) Diese Artunterscheidung des Religiös-Guten und des bloss Moralisch-Guten ist ein Wesenzug nicht nur der christlichen Religion (wie Goethe in Verkennung der jüdischen Pflichtenlehre dort meiDt), sondern auch Grundstein und Wesenszug der jüdischen Nächstenliebe. Auch die jüdische Religion als Mutterreligion fordert von ihren Bekennern reinste, aktivste Menschenliebe und Barmherzigkeit, auch unsere Propheten als Urbilder der Christenreligion lehren die Idee des reinen Guten, sie werden nicht müde, das Ideal von Barmherzigkeit und Gleich empfinden mit den Niedrigsten, Unterdrückten und Entrechteten, Witwen und Waisen, Kranken und Fremden (braucht man das noch zum unzähligsten Male zu ״beweisen“?) in den lichtvollsten Farben zu schildern. Auch unsere Bibel und Propheten lehren den Weg der Heiligkeit zu Gott empor. ״Heilig sollt Ihr sein, wie ich heilig bin“, somit die Heiligkeit ein Attribut Gottes und eine Heiligung und Versittlichung des Menschen zu Gott empor. Unsere Weisen betonen unermüdlich die Liebe Gottes zum reumütigen Sünder; denn als grösster Vorzug des Menschen, der keiner Engelshöhe und keiner Götterstärke zu weichen brauche, wird hervorgehoben, dass der Mensch, anders als die Engel, Sündenfähig geschaffen sei; daher die Prägung des Satzes: במקום שבעלי תשובה עומדים א״ן צדיקים גמורים יכולים לעמוד. An dem

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