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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Goethe und die Bibel 25 kreuzweis über die Brust, einen freudigen Blick gen Himmel, das ist es, was wir unmündigen Kindern auflegen und zugleich das Zeugnis von ihm verlangen, dass ein Gott da droben 8 e i, der sich in Eltern, Lehrern, Vorgesetzten abbildet und offenbart״ (Wilh. Meist. Wand. 11,1). Das zweite ist die ״Ehrfurcht vor dem, was neben uns ist/ vor dem, was unsresgleichen ist, unser Verhältnis zur übrigen Menschheit und der ganzen irdischen Umgebung regelt, es ist die soziale Ehrfurcht vor den Menschen und ihren Gesetzen, die Achtung vor dem Ebenbilde Gottes im Menschen, die uns vor Misswollen und Missreden und kleinlichem Dünkel bewahrt und uns den ״Weg zur Heiligkeit empor“ führt. Die dritte Stufe der Ehrfurcht, die gelehrt werden soll, ist Ehrfurcht, vor dem, was unter unsist. Es ist die letzte Erkenntnis des Menschen, ״die Erde nicht allein unter sich liegen zu lassen und sich auf einen höheren Geburtsort zu berufen, sondern auch Niedrigkeit und Armut, Spott und Verachtung, Schmach und Elend, Leiden und Tod als göttlich anzuerkennen, ja Sünde selbst und Verbrechen nicht als Hindernisse, sondern als Fördernisse des Heiligen zu verehren und liebzugewinnen״. Aus diesen drei Ehrfurchtsquellen entspringe die oberste (vierte) Ehrfurcht, die Ehrfurcht vor sich selbst, die unschätzbare Gabe der Selbstwürde, durch die ״der Mensch zum Höchsten gelangt, was er zu erreichen fähig ist, dass er sich für das Beste halten darf, was Gott und Natur hervorgebracht haben, ja, dass er auf dieser Höhe verweilen kann, ohne durch Dünkel und Selbstheit wieder ins Gemeine gezogen zu werden״ (ibid.). Verweilen wir einige Augenblicke vor diesen seherischen Worten eines Menschheitslehrers, die jedem Mussarbuche zur Zierde gereichen könnten. Wenden wir uns insbesondere der dritten Art Ehrfurcht zu, die den höchsten Grad d e r B e t ä t i g u n g der Menschenliebe, der Liebe zu den unter uns Stehenden lehrt.

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