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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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24 Goethe und die Bibel halte ich es für unnötig“. (Brief des Pastors, 1773) ״So rütteln sie (die neuern Bibelkritiker) jetzt an den fünf Büchern Mosis, und wenn dievernichtendeKritik irgend schädlich ist, so ist sie es in Religionssachen; denn hierbei beruht alles auf dem Glauben, zu welchem man nicht zurückkehren kann, wenn man ihn verloren hat“. (Gespräche mit Eckermann, Februar 1827). Dies sind zwei Selbstzeugnisse von solch lapidarem Inhalt über die erhabene Grundwahrheit des Bibelwortes, dsss wir sie als erstes Symptomatisches für Goethes Stellung zur überlieferten Religion buchen müssen. Gewiss war Goethe (das sei ausdrücklich betont) einer Kritik d e r W u n dergeschichten im Alten und Neuen Testament nicht unzugänglich, gewiss bestritt er die Möglichkeit gewisser ״Einschaltungen und Akkomodationen“ in der Bibel nicht (siehe den Aufsatz: Israel in der Wüste 1797). Doch geht nach seiner Meinung aus solch massvoller Kritik der innerliche, eigentliche Urtext nur desto lebhafter und reiner hervor.“ Niemals hätte Goethe, wie unsre modernen Bibelexegeten, an die unzertrennliche Einheit der fünf Bücher Mosis Hand angelegt. ״Ich habe mich nie genug über Männer wundern können, die sich hinsetzen ein ganzes Buch, ja viele Bücher an einem Faden weg zu exegisieren.“ Goethe sprach der unverkünstelte Bibeltext am tiefsten an, und auch hier bemühte er sich, ״nichts zu verzierlichen und nichts zu verkritzeln.“ Doch weit prägnanter und für uns wertvoller sind die Stellen, wo Goethe in höchster Intuition über den Wert der Religion für die Menschheit überhaupt sich in didaktischer Form ausspricht. Wichtig ist besonders ein Kapitel aus seinem reifsten Romanwerk: ״Wilhelm Meisters Wanderjahre“ (II. Buch 1. Kapitel), ein Kapitel, das man ״Uober die Ehrfurcht“ überschreiben könnte. Vier Arten von Ehrfurcht werden dort den Zöglingen der pädagogischen Provinz, die Wilhelm Meister auf seinen Wanderungen besucht, beigebracht und auf allerlei Weise eingeprägt: Die erste Ehrfurcht sei vor dem, was über uns ist. ״Jene Gebärde, die Arme

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