Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293028--06672-2299954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Goethe und die Bibel 21 m ä 1 d e n orientiert, vgl. GL DeMo, Altitalienische Gemälde als Quelle zum Faust, Goethe-Jahrbuch, VII, p. 251 f.) Und wenn Goethe einem biblischen Deutungsversuch dieser Szene (nach der Behauptung Wittkowskis) seine Zustimmung gab, so beweist das noch nicht, dass gerade Elisas Mantel ihn hier allein entscheidend oder überhaupt beeinflusste. Dem Dichter unterbewusst mögen sich wohl noch andere Momente eingemischt haben1). Zu diesen kritischen Einschränkungen fühlten wir uns verpflichtet, denn etwas andres ist es, wissenschaftlich etwas zu behaupten, und etwas andres, schöngeistige Zeichendeuterei zu treiben. Man werfe uns Juden nicht vor, dass wir allzu parteiisch und schnüfflerisch Goethes Werke auf biblische Vorbilder zurückzufflhren, wo die vollberechtigte Grundlage nicht erweisbar erscheint. III. Der III. Abschnitt in Deutschländers Buch ״Das Alte Testament in Goethes Weltanschauung“ reizt vielfach zu einer ergänzenden Darstellung. Es genügt nicht der mehr philologische Nachweis, wie oft sich Goethesche Lebens- Weisheit und Gedankengänge mit alttestamentlichen und midraschischem Denken begegnen. Es muss versucht werden zu ergründen, wie Goethe, der für jeden Gebildeten unserer Zeit, besonders aber für das werdende Geschlecht, eine Schicksalsmacht, ein Lebenskünder in allen Lagen geworden ist, wie dieser titanenhafte Denker den Wert der positiven!Religionen einschätzte. Nicht von Goethes persönlichem Religionsbekenntnis soll im folgenden wesentlich die Rede sein, sondern die Frage gilt: Was lässt sich Gesichertes aus Goethes Prosawerken (die dichterischen Bekenntnisse sind subjektiv gefärbte Meinungen und Stimmungen!) Fansts Zaubermantel spielt schon in den alten Fanstdramen eine Rolle und scheint ein stehendes Requisit der mittelalterlichen Spiele au sein. Aach Jean Paul spricht in seinem ״Schulmeisterlein Wuz“ von einer Schürze, die er wie Doktor Fansts Mantel bei seinen häusliehen Verrichtungen umband.