Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Goethe und die Bibel und konzipiert. Faus t-Mon 010 g und Hamlet-Monolog, ein dankenswerter Vergleich mit gesicherter Ausbeute, Hiobsgedanken, Koheleth-Gedanken im ,Faust*, recht schön und ausgiebig; doch man bemühe die so ganz anders geartete Prophetengestalt Elijas nicht von ihrem ewigen Postament einem Vergleich zuliebe herab, selbst wenn ein — Feuerwagen zur Vergleichung lockt (״Ein Feuerwagen schwebt auf leichten Schwingen auf mich herab“ etc.). Ein dritter gewagter Deutungsversuch: Helena, das Schönheits-Ideal der klassischen Antike, die aus der Unterwelt Heraufzitierte, nimmt, nachdem ihrem Bunde mit Faust der Sohn Euphorion entsprossen, Abschied von der irdischen Welt (Faust, II. Teil, Ende des 3. Aktes), ihr Kleid und Schleier bleiben Faust in den Armen; die Bühnenanweisung heisst darüber: ״Helenas Gewände lösen sich in Wolken auf, umgeben Faust, heben ihn in die Höhe und ziehen mit ihm vorüber“. Dieser Vorgang gibt Deutschländer Anlass zur deutenden Belehfung: ״Hier lebt die Seele des biblischen Motivs. Wie Elisa mit dem Mantel seines Herrn auch seinen Geist über sich fühlte, so sollte Helenas Gewand, dass in Fausts Hand verblieb, ein Symbol dafür sein, dass sich der Ewigkeitskern hellenischen Wesens nunmehr harmonisch in seine Natur gefügt hat* (1. c., p. 147). Diese Deutung geht unsres Erachtens entschieden zu weit. Nach unsrem Gefühl hat Goethe hier eher seine Anregung aus den vielen bildlichen Darstellungen von der Himmelfahrt Mariä genommen (Maria in Wolkendunst und wallenden Gewändern inmitten der gläubigstaunenden Menge emporschwebend, vgl. z. B. ״Die Himmelfahrt der heiligen Jungfrau* von Simon Vouet, 1590—1659, Maria fährt gen Himmel, die Jünger beschauen ihre Leichentücher im Grabe, s. Schultz, Kunstgeschichte der Renaissance, Band II, p. 438). Helena lässt wie Maria ihr Gewand zurück zum Zeichen, dass alle irdischen Hüllen von ihr abfallen. Diese Erklärung ergibt sich natürlicher und unkomplizierter als die mühsam herbeigeholte Parallelisierung mit Elisas Mantel. (Goethe hat sich oft im ״Faust* an italienischen Ge-