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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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17 Goethe und die Bibel kann nur einige gekünstelte äusserliche Berührungsp u n k t e und formale Anklänge des Ausdrucks und Gedankens zu Tage fördern. * *) Manches Erkünstelte ergibt sich u. E. auch bei Deutschländers Erforschung des ״Faust“ nach biblischen Motiven aus der Elija-Geschichte. Der Prophet Elija hatte in der Einsamkeit der Wüste die Erkenntnis gewonnen, dass nicht im Sturmesbrausen, nicht im Feuerwüten, sondern im ״sanften Säuseln“ die Allmacht Gottes sich offenbart. Diesen Gedanken spricht der Erzengel Michael im Prolog zu ״Faust“ aus, indem er ״das sanfte Wandeln“ Gottes im täglichen irdischen Geschehen lobpreist, dies soll nach Deutschländer (und mit ihm Wittkowski in seinem Faust-Kommentar II, S. 197) eine Parallele zu Elijas Ringen um das Erkennen Gottes vorstellen. Schon hier nicht ganz überzeugend n. u. A., da ebendort im Prolog die Engel Raphael und Gabriel auch die gewaltigen, verheerenden Naturvörgänge in gleicher Weise als Ausstrahlungen von Gottes Herrlichkeit besingen. Elija ist der Verzweiflung nahe, weil trotz allen Wunderwirkens Gottes *) Zu welchen Verirrungen man sich in früheren Jahren vergessen konnte, dies zeigt mit erschreckender Deutlichkeit ein Vortrag von J. Rosenberg: ״Koheleth und Goethes Faust״ (abgedruckt im ״Jahrbuch für Jüd. Gesch. und Literatur1908 ״). Was hier an sogen. ״Uebereinstimmungen״ zwischen Koheleth und Faust geboten wird, ist geradezu unverständlich. Da soll der in unbegreiflicher Schönheit prangende Wechselgesang der drei Engel im Faust-Prolog (״Die Sonne tönt nach alter Weise In Brüdersphären Wettgesang Und ihre vorgeschriebne Reise Vollendet sie mit Donnergang etc.) ״fast wörtlich״ übereinstimmen mit den abgeklärt weisheitsvollen Worten des Koheleth: ״Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, Sie keucht stets ihrer Stätte zu, dahin, wo sie wieder aufgeht״. Gegen solehe mechanische Gleichsetzerei und gekünstelte Wortvergleichsucht *(der [ganze Vergleich * beruht auf dem Wort ״Sonne״!) muss jeder poetisch Empfindende Protest erheben. Die Schönheit des Koheleth-Buches und die des Faust ist grundverschieden und sie bedürfen keiner gegenseitigen Stützung. Und so ist die ganze Parallelisierung von Aufbau und Gedankengang des Faust mit Koheleth, wie ihn Rosenberg zu geben versucht, als ein einziger grosser Irrtum abzuweisen und fast alle seine ״Beweise״ als unzutreffende zu bezeichnen. (Dies nachzuweisen würde einen Artikel für sich erfordern.) 2

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