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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
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16 Goethe und die Bibel Auch das nächste im gleichen Jahre erschienene Werk ״Egmont“ enthält Situationen, die nach biblischen Motiven gebaut sind (Deutsch!, 1. c. p. 104). Den grössten Einschlag altbiblischer Motive und tragender Gedanken enthält der ,Faust״, die ״weltliche Bibel״, wie man sie auch nannte. Es ist hier nicht der Ort, diese Einschläge näher zu behandeln. Deutschländer hat in seinen im Jeschurun (Band II) erschienenen Aufsätzen formvollendet wie auch erschöpfend nachgewiesen, dass Faust ohne Hiob nicht denkbar wäre, und wir begnügen uns hier mit dem Hinweis auf jene grundlegenden Arbeiten, die besonders lichtvoll die Parallelen Moses gleich Faust, Satan (im Hiobsdrama) gleich Mephistopheles herausarbeiten. Weniger überzeugend dagegen erscheinen uns die Ausführungen Deutschländers in der Gleichstellung Faust mit Koheieth zu sein. ״Beide haben versucht, im Genüsse und im Leben der Freude Befriedigung zu finden. Vergebens! Ein Bleibendes, Ewiges fanden sie nicht. Erst nach langem Wandern und vielem Irren winkt ihnen ein Ruhepunkt. Faust in der Arbeit für das Gemeinwohl, Koheieth in der Erkenntnis, dass Gottesfurcht Ziel des Menschen sei.“ Dies ist das ganze Ergebnis der Parallelsetzung bei Deutschländer. Dass hier von einer wesenstiefen Beeinflussung des ״Faust״ durch ״Koheieth“ nicht im mindesten die Rede sein kann, das liegt klar zu Tage, und das hätte von Deutsch! wenigstens mit Entschiedenheit betont werden müssen. Faust und Koheieth, sie gleichen sich nicht! Faust, der vulkanisch nach Erkenntnis Ringende, selbst in der Absage an alles menschliche Wissen (Erster Faust- Monolog) in leidenschaftlicher Unbefriedigung Verschmachtende, von ungestilltem Lebenshunger Besessene, im Kreise Gehetzte — wie wäre dieser erst Werdende zu vergleichen mit Koheleth-Salomo, dem Fertigen, an Erkenntnis Gesättigten, vor dem Uebermass des Genusses Warnenden, R e s i g - nierenden, von nichtigen Lebensgütern Abgewandten, an Gott als einzigen Fels sich Klammernden! Nein, jeder Vergleich muss hier scheitern und

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