Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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וו■■ 11 11111111111!11111111111 im n 18 Goethe und die Bibel wohl weil sich gar zu leicht mit dem dichterischen Streben religiöse und moralisierende Tendenzen vermengen (s. Deutsch! 1. c. p. 71 f.). Kirche und Theater wollte er streng getrennt wissen. Jede direkte Bearbeitung eines biblischen Stoffes meidet G. in den Jahren der Reife. Ein andres Verhältnis zur Bibel tritt ein: ein Verhältnis der sinnbildlichen Verehrung und Ehrfurcht vor der biblischen Welt. Fortan schöpfte er aus der Bibel für seine grossen dramatischen Werke nur Bilder, Stimmungen, Änklänge, Motive, Spannungen, die unbewusst, s t i mm u n g sm ä s s i g die Handlung und Personengestaltung seiner Dichtungen beeinflussen. Daher ist es nicht zu verwundern, dass dieser b i b - lische Gedanken- und Stimmungsgehalt sich mehr in den Werken des nachitalienischen Goethe (erste italienische Reise 1786) äussert als in den Werken der Sturm- und Drangjahre. Die biblischen Einschläge und Anklänge lassen sich mehr in den abgeklärten Weisheitswerken ״Iphigenie“, ״Hermann und Dorothea“, vornehmlich aber im ״Faust“, dem Lebenswerke Goethes, nachweisen. (Der ״Tasso“ ist das einzige Werk frei von biblischen Motiven; vielleicht weil der Stoff: der Konflikt zwischen dem realistischen Höfling Antonio und dem schwärmerischen freiheitstrunkenen Idealisten Tasso, ein durchaus unbiblischer, von Renaissance-Luft gesättigter ist.) Schon der ״ G ö t z “, die reifste Frucht der überschäumenden Jünglingsjahre, ist so gesättigt mit biblischen Reminiszenzen, dass ״es kaum möglich sein dürfte, die ihn durchziehenden biblischen Anklänge erschöpfend aufzuweisen“ (Deutschländer, 1. c., p. 40). Besonders sind die Wortanspielungen und Gleichnisse aus dem Alten Testament zahlreich. Rein stimmungsmässige Analogien und Anlehnungen an biblische Situationen bringt das idyllische Epos ״Hermann und Dorothea“. So wird der Richter als Führer des Zuges der Auswanderer an Klugheit und Geschick