Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule und Erziehung 11 wieder wachsen, die sich zum Lehrberuf melden. Darum muss schon jetzt, mitten im Niedergang, ein neuer Aufbau der Lehrerbildung vorbereitet werden. Wenn die künftige Ausbildung vom Staate festgelegt sein wird, muss unverzüglich ein entsprechender Weg auch für den jüdischen Lehrer geebnet werden. Man sollte daher besser die wenigen jüdischen Seminare noch nicht eingehen lassen, sondern sie zu späterem Umbau oder Ausbau erhalten; Umbau ist leichter als Neubau. Ein innerer Umbau nach Massgabe der vorher besprochenen Forderungen an den jüdischen Lehrer stellt an die jüdische Ausbildung mindestens so stark erweiterte Ansprüche wie es wohl für die allgemeine Ausbildung geschehen wird. Nur wirklich begabte und jüdisch ergriffene junge Menschen sollten sich dem Dienste der Erziehung der jüdischen Jugend widmen; denn ausser der sachlichen Erweiterung ihres allgemeinen und ihres jüdischen Horizonts werden sie auch methodisch Neuland zu erobern haben: so dürfen sie sich mit der allgemeinen Unterrichtslehre nicht zufrieden geben; denn die Eigenart der jüdischen Psyche muss bei der Auswahl und dem Zuschnitt der verschiedenen pädagogischen Methoden durchaus berücksichtigt werden. (Man vergleiche etwa die Methode Herbart-Ziller und die Methode Gaudig in ihrer Wirkung auf jüdische Kinder.) Sehr wichtig ist noch, dass für die höheren jüdischen Schulen Oberlehrer mit einer Art Fakultas in den hebräischen Fächern gebraucht werden; als Ausbildungsstätte in judaicis wäre das Rabbinerseminar geeignet. Die wahre Schicksalsfrage an die deutschen Juden besteht aber darin, ob sie genügend geistige Energien aufbringen können, um sich selbst wieder als Kulturgemeinschaft zu setzen. Dann wird ihnen das Bild einer gefesteten jüdischen Zukunft vor Augen schweben, zu deren Verwirklichung sie der jüdischen Schulen bedürfen. Ihrer Pflichten gegen den jüdischen Lehrerstand werden sie sich dann nicht entziehen und alle materiellen Grundlagen schaffen, um die Forderung zu verwirklichen: Stellet viele Lehrer auf!