Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Schule und Erziehung durchzumachen hat? Diese und andere Momentdurchblicke beleuchten hell die Grundtatsache: Zur Selbsterhaltung der jüdischen Kulturgemeinschaft sind jüdische Schulen notwendig! Nun sind in kleinen Städten und auf dem Lande aus inneren und in den letztön Jahren aus soziologischen Gründen eine grosse Zahl jüdischer Volksschulen untergegangen. Nicht das ist die Aufgabe, solche Schulen wiederherzustellen — durch Landflucht und Abwanderung nach dem Krieg sind sie unnötig geworden. Man sollte auch nicht zuviel Kräfte darauf verwenden, Zwergschulen durchaus zu erhalten. Sondern in den Gressstädten muss die Hauptarbeit einsetzen; entsprechend dem Zuzug von Juden müssen hier jüdische Volksschulen eingerichtet werden. Die Regierung wird diese Gründungen als Ersatz für die zahl• reichen eingegangenen Dorfschulen sicher genehmigen. Wenn nur alle ״Erziehungsberechtigten״, die jüdischen Eltern, diese Forderung nachdrücklichst erheben würden! Vielleicht wird in naher Zukunft endlich auch die Schulpolitik der Grossgemeinden einen neueD Kurs einschlagen, sodass auch von dieser Seite her die Einrichtung von jüdischen Schulen gefördert wird. Damit aber die Kinder nicht nur in den ersten paar Schuljahren jüdisches Wissen und jüdische Erziehung mit der gleichen Wertbetonung in sich aufnehmen wie die allgemeine Bildung, brauchen wir ebenso wie eine jüdische Grundschule auch die höhere Schule. Denn erst hier, in reiferem Alter, kann es dem Lehrer gelingen, jene Synthese in der Seele des Kindes an• zubahnen, die es trotz der Verarbeitung deutscher und europäischer Kultur zu einem jüdischen Menschen macht. Wenn wir erst jüdische Volksschulen und vor allem jüdische höhere Schulen in genügender Zahl haben werden, dann wird das so gänzlich unzureichende System der ״Religionsschule“ von selbst rerschwinden. Ein ausreichender Ausbau des jüdischen Schulwesens stellt in Quantität und Qualität Anforderungen an den jüdischen Lehrerstand, denen er augenblicklich in keiner Weise genügt. Wenn aber eine grosse Nachfrage entstehen und die wirtschaftliche Lage sich gebessert haben wird, wird auch die Zahl derjenigen;