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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Schule und Erziehung Stand im 19. Jahrhundert lediglich das Individuum im Brennpunkt des Erzieher-Interesses, so ist es nun Aufgabe, den Blick zugleich auch auf die jüdische Gemeinschaft und ihre äusseren Lebensbedingungen zu richten. Durch Schulpflege kann der Lehrer in mancherlei Hinsicht einen gestaltenden Einfluss ausüben; er muss dazu nicht nur die geistige, sondern auch die physische Lage des zersprengten jüdischen Volkes, besonders natürlich die seines Wirkungskreises, studieren. Die Eigenart, die Stärke und die Schwächen des bestehenden Gemeindelebens muss er verstehen: wieviel Gutes kann er durch Erziehung für die Zukunft stiften, wenn er immer bedenkt, dass er aus der ihm überantworteten Jugend die kommende Gemeinde schafft! An hohen sozialen Aufgaben hat er teil: es liegt ihm z. B. vielfach ob, einen gesunden Ausgleich zwischen ost- und westjüdischen Kindern herzustellen. Die schwierigen soziologischen Probleme der deutschen Juden dürfen ihm nicht gleichgültig sein: die Abwanderung und Zuwanderung, die Landflucht, die Berufsschichtung. Bei der Berufsberatung z. B. werden ihm solche Kenntnisse zum Heile der Gesamtheit dringend notwendig; fehlen sie doch den Eltern in den allermeisten Fällen. Auch in die sanitären Verhältnisse einzugreifen, wird er oft Gelegenheit haben: er muss imstande sein, Kinder und Eltern in der Behandlung speziell jüdischer Gesundheitsschädigungen zu unterstützen: ich denke z. B. an die übliche fahrlässige Behandlung der Augen bei jüdischen Kindern. Diese innere Wegbereitung kann sich aber nur dann mit ganzer Energie auswirken, wenn auch die äusseren Hemmnisse, die uns das 19. Jahrhundert vererbt hat, beseitigt werden. Die erste Forderung ist, dass die Erziehung jüdischer Kinder in der Hauptsache in jüdischen Händen liegen muss. Das kann aber nur in jüdischen Schulen geschehen. Bedarf es wirklich erst des Hinweises auf den momentanen Antisemitismus in den höheren Schulen, um jüdischen Eltern die Augen zu öffnen, wo ihre Kiuder hingehören? Haben die Westjuden alles seelische Feingehör verloren, dass man so gar nicht an die Leiden denkt, die besonders ein ostjüdisches Kind in einer christlichen Volksschule

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