Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule und Erziehung 7 orthodoxe Minderheit ging allerdings auch in der Schulfrage ihre eigenen Wege; sie betrachtete sich als eine Kulturgemeinschaft eigener Art und tat konsequenterweise ihr Möglichstes, um die eigene Schule zu erhalten oder auszubauen. Aber auch sie hatte unter der Ungunst der Zeiten mitzuleiden, und nicht überall gelang ihrer geringen Zahl das Sachlich-Notwendige. Auch ihr bringt die Wandlung der Zeitlage neue Aufgaben im Gebiet des Schulwesens; die Gründung höherer jüdischer Schulen durch private Initiative, die in den letzten Jahren in mehreren Städten Deutschlands erfolgt ist, beweist den frischen Mut, mit dem sie bereits in Angriff genommen werden. Aber in den letzten Jahren mehren sich die Kreise, in denen noch oder wieder die Liebe zum alten jüdischen Kulturgut brennt; sie alle sollten sich energisch auf den Boden der jüdischen Schule stellen, wenn nicht der ungeheure Schaden unter der Jugend weiter um sich greifen soll. Denn allein kann die orthodoxe Minderheit das heute notwendige Schulwerk garnicht leisten. Alle Kräfte müssen mobil gemacht werden, damit in allen Lagern mit Bewusstsein für eine jüdische Lösung der Kulturfrage gearbeitet werde. Dazu bedarf es vor allem einer neuen Orientierung und einer umfassenden Ausbildung des jüdischen Lehrers; denn er muss fast überall auf neuen Wegen die Erfüllung seiner Aufgaben suchen. Voraussetzung einer fruchtbaren inneren Wegbereitung ist, dass kein jüdischer Lehrer — welcher Partei er auch angehören mag — die Tatsache der jüdischen Kulturgemeinschaft mehr negiert. Im Gegenteil: er muss sich mit aller Kraft und an jedem Orte für die Ausbildung und die Stärkung eines jüdischen Kulturbewusstseins einsetzen. Er darf nicht einfach hinter der Gemeinde herlaufen und seine Lehre ihrem tatsächlichen Leben anpassen, sondern s§in Wissen muss weit und reif, seine Liebe zum Judentum strahlend und ringsum erwärmend, sein menschliches Verstehen ruhig abwartend und von sicherem Takt sein, um wahrhaft Führer sein zu können. Im Bewusstsein des höheren Lehrauftrags von der jüdischen Gemeinschaft wird er magnetisch alles lebendige jüdische Leben