Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule und Erziehung 5 wachsender Prozentsatz von jüdischen Kindern sofort die allgemeinen höheren Schulen besuchte und dass dadurch die um die Mitte des Jahrhunderts beträchtliche Anzahl von jüdischen Volksschulen immer geringere Frequenzziffern aufwies, was in zahlreichen Fällen zu ihrer Auflösung führte*). Wo aber die Volksschule notwendig war und deshalb bestehen blieb, blühte sie doch vielfach nur in den drei untersten Schuljahren; dann wurden alle begabteren Kinder auf höhere — und das hiess ja nichtjüdische Schulen geschickt. Auch diese Kinder wurden also nur bis zu ihrem neunten oder zehnten Lebensjahr von jüdischenLehrern unterrichtet und in jüdischen Schulgemeinschaften erzogen. Als so der jüdische Lehrer von der Gesamterziehung jüdischer Kinder immer mehr abgedrängt wurde, begrüsste er die Religionsschule, die ein Mittel zu sein schien, wieder alle Kinder ihm zuzuführen, wenn auch nur in einem Fach♦ Aber die pädagogischen Nachteile .der Religionsschule werden heute nur ,von denen noch nicht zugegeben, die aus politischen Gründen blind sein wollen oder nichts Besseres an ihre Stelle zu setzen wissen oder wünschen. Doch alle Einsichtigen beobachten, dass bis auf wenige, um so rühmenswertere Ausnahmen allgemein der Respekt vor der Religionsschule fehlt, bei Kindern und bei Eltern, und das ist ein Grundübel, gegen das kein Flickwerk hilft. Vom Standpunkt einer jüdischen Kulturgemeinschaft aus verewigt dies Erziehungssystem die absolute Trennung von Religion und sonstiger Bildung, statt um des einheitlichen jüdischen Menschen willen dem Ideal der Synthese zuzustreben; aus der Trennung wird leicht eine Feindschaft, bei der ״Religion״ — oft nur mit zwei Stunden pro Woche gegenüber zwei und dreissig und mehr Stunden allgemeiner und christlicher Kultur — schon durch das quantitative Missverhältnis gewöhnlich unterliegt. In wieviel Hunderten von Fällen hört man mit vierzehn Jahren mit dem *) Es wäre wüdsehenswert, dass möglichst bald amtliche Fest- Stellungen gemacht werden, wrie weit der Untergang der jüdischen Volksschule in Deutschland durch die Landflucht, die Abwanderung-aus gewissen Gebieten und die unhaltbare, wirtschaftliche Lage der Lehrer bis heute fortgeschritten ist.