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Jeschurun · 1924-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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2 Schule und Erziehung* dass sie Mittel und Bürge für die Verwirklichung desjenigen Wunschbildes ist, das einer Kulturgemeinschaft in Bezug auf ihre eigene Zukunft vor Augen schwebt. Hier steht die Frage der jüdischen Schule zur Diskussion. Nach der Definition des Sinnes der Schule überhaupt müsste zunächst das Problem erörtert werden, ob und inwiefern wir Juden trotz allem als eine Kulturgemeinschaft zu betrachten sind. An dieser Stelle soll aber darauf verzichtet werden. Es genüge die Erinnerung daran, dass das Judentum in der energischsten, der religiösen Form gesinnungsbildende und gesellschaftsordnende Elemente vollauf besitzt, um eine Kulturgemeinschaft zu fundieren. Wer der Ueberzeugung ist, dass diese eigenen, in der Tradition bewahrten Kulturwerte uns für die Zukunft erhalten bleiben müssen, der bejaht eine jüdische Kulturgemeinschaft; er nur kann mit zureichendem Grunde die eigne jüdische Schule fordern. Dann ist der jüdische Lehrer der Beauftragte der jüdischen Gemeinschaft und seine Erziehungsziele müssen alle auf jenen Kulturgehalt bezogen sein. Er muss, wenn er den Sinn der Schule überhaupt erfüllen will, durch Erziehung der Jugend für die Verwirklichung des Wunschbildes arbeiten, dessen die jüdische Gemeinschaft um ihrer Selbsterhaltung und Erhöhung willen bedarf. Hat der jüdische Lehrer in Deutschland im 19. Jahrhundert sein Amt in diesem Sinne ausüben können? Kein Zweifel, dass er in der Hegel mit grossen inneren und äusseren Hemmungen zu kämpfen hatte, die die Gesamtlage der Zeit mit sich brachte. Das Ghetto hatte ein deutliches jüdisches Kulturbewusstsein. Sein Leben wurde durch die Symbole charakterisiert, die ihm Ausdruck ureigenster religiöser Sinngebung waren; es fühlte sich als Träger einer religiös verankerten Gesittung, die der der Umwelt in sehr vielem überlegen war. Aber im Verlaufe der Emanzipation wurde die westeuropäische Kultur in Bausch und Bogen über die jüdische Kultur gestellt. Der Wunsch nach sozialer Gleichstellung um jeden Preis, das blendende Licht des ästhetischen Individudalismus und die erdrückende Wucht des naturwissenschaftlichen Mechanismus des 19. Jahr-

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