Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 470 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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470 Ueber den Minhag־ Wenn sie hingegen allgemeine Verbreitung gefunden hat, so kann ein späterer Gerichtshof sie nur dann aufheben, wenn er dem Gerichtshof, der sie erlassen hat, an Weisheit und an Zahl (בחכמה ובמנין) überlegen ist24). Sogar wenn der Grund der Ver- Ordnung hinfällig geworden ist, kann sie nach Maimonides nur von einem solchen an Zahl und Weisheit überlegenen Gerichtshof beseitigt werden, was aber der ראב״ד bestreitet. 25) Verordnungen, die als Zaun (r%c) zum Schutze gegen Gesetzesübertretungen er־ lassen wurden, können, sobald sie allgemeine Verbreitung gefunden haben, überhaupt nicht mehr aufgehoben werden26). Eine dritte Art des Minhag bilden Verordnungen, die von einer autoritativen Behörde für einen bestimmten Kreis oder für ein bestimmtes Land unter Androhung des Bannes für die Uebertretung eingeführt worden sind. Sie bleiben für diejenigen, die sie angenommen haben, und für ihre Nachkommen bindend, auch wenn sie ihren früheren Wohnort verlassen und sich anderswo niedergelassen haben. So gilt die Verordnung des Rabbenu Gerschom gegen die Polygamie, die ursprünglich nur für die Länder des aschkenasischen Ritus erlassen wurde, auch für diejenigen Aschkenasier, die nach sefardischen Ländern übersiedeln. Denn es handelt sich hierbei nicht um einen lokalen Minhag, sondern um eine Verpflichtung von Personen (אקרקסתא דגברי רמי) die durch den Ortswechsel nicht aufgehoben werden kann. Die Bekräftigung der Verpflichtung durch die Bannandrohung (דורם) fällt hierbei erschwerend ins Gewicht 27). Die letzte und ausgedehnteste Gruppe bilden die örtlichen Minhagim (מנהג המקום). Die Mehrheit der Mitglieder einer Ge- 24) חלבה כ׳. Den Begriff כמבין erklärt Maimonides in dem Sinne, das» die Zahl der zustimmenden Gelehrten grösser ist; nach anderen bezieht es sich auf die Zahl der Jahre des Vorsitzenden. 25) ibid. 26) הלבד. ג׳. Maimonides folgert diese Bestimmung, wie die Kommentatoren bemerken, aus dem talmadischen Ausspruch בב־ יבול לבכר ב״ד דברי ב״ד הבידו חוץ פי*ח דבר שאפילו יבוא אליהו ובית דינו אין שומעין א (ע״ז ל״ו ע״א), wobei er die י׳ ח דבר nur als ein Beispiel betrachtet. Tosaphot hingegen nimmt an, dass die י״ח דבר eine Sonderstellung einnehmen. (Siehe Tosaphot z. St.) 27) הר״ן סי׳ מ״ח n״vr und ש״ע י״ד רצ״ח סעיף ב*ט; siehe aber auch das. ם״ך ס־-׳ק £*ת\